Keine Spur vom goldenen Oktober: Langes Ostseewochenende

Das lange Wochenende, um den deutschen Einheitstag, haben wir für einen Besuch an der Ostseeküste genutzt. Ziel war die Gegend um Hasselberg, im Norden Schleswig-Holsteins, zwischen den Meeresarmen von Schlei und Flensburger Förde. Nach dem Kurzbesuch im Sommer, nun mein fünftes Mal am Baltischen Meer, nur zum Mitzählen.

Nasser, grauer Oktober

Um es mal vorwegzunehmen, die Vorrausetzungen für ein rundum gelungenes Wochenende waren nicht die Besten. Die Wettervorhersage versprach Dauergrau, nur seltene trockene Phasen und kaum Sonnenschein. Dazu war auch noch unser Hund erkrankt. Ziemlich schlechte Bedingungen für einen gelungenen Kurzurlaub, aber es ist wie es ist, es gibt ja schließlich gemütliche Hüttenabende vorm knisternden Kamin.

#Pottloch Ostseestrand
Dauergrau am Ostseestrand bei Pottloch.

Leider, zumindest aus Sicht eines Freundes einsamer Strände, ist dieser Küstenstreifen sehr intensiv touristisch erschlossen. Hinter dem Deich – den gibt es tatsächlich an diesem Ostseeküstenstreifen, reiht sich Campingplatz an Campingplatz.  Davor liegt ein schmaler, flacher Sandstrand – immerhin mit etwas Brandung (das sind wir ja am Wattenmeer kaum gewohnt) und zumindest Fragmenten einer Steilküste.  Was natürlich besonders hervorsticht, ist die Länge des Strandes – denn dieser ist durchgehend. Von der Schlei bis zur Förde, wodurch lange Spaziergänge möglich sind, zumindest dann wenn man keinen Hund hat. Das leicht wellige Hinterland ist hingegen nur spärlich besiedelt und Wäldern und Feldern gesprenkelt. Der Übergang zum Meer ist vergleichsweise abrupt und das gefällt mir außerordentlich.

Strandspaziergang bei Pottloch

Gleich am Feiertag erwischten wir einen trockenenes Zeitfenster für einen kurzen Strandspaziergang bei Pottloch. Wie alle anderen Strände zwischen Schlei und Flensburger Förde, ist auch dieser recht schmal und liegt hinter einem kleinen Dünenrücken. Natürlich wartet am Strandzugang der deutsche Schilderwald, aber immerhin kein Wegelagerer Bis zum für Hunde vorgesehene Abschnitt, meistens nicht die schönsten, sind es einige Hundert Meter.

Vom Tierartzt an die Flensburger Förde

Die folgende Nacht ist kurz, unser Vierbeiner ist schwer erkältet, sein durchdringender Husten raubt uns den Schlaf. So lernen wir am folgenden Morgen Frau Heike Madsen kennen, die Tierärztin von Gelting. Auf dem Rückweg, eher einem Abstecher, entdecken wir den kurzen Strand bei Ohrfeldhaff. In einer kleinen Bucht an der Flensburger Förde. Ganz in der Nähe mündet der Bach Lippingau ins Meer. Einfach so, ohne Sperrwerk, ohne Siel, völlig frei. Undenkbar an unserer, heimischen, Nordseeküste, wo jeder Quadratmeter Ufer irgendwie vom Menschen überprägt ist.

Kappeln an der Schlei

Den Samstag verbringen wir in Kappeln, der größten Stadt in der Gegend (~9.000 Einwohner). Der recht ansehnliche Fischerort an der Schlei ist sozusagen das Zentrum der Region. Wir schlendern durch die nordischen Gassen, schlecken dazu ein dänisches Softeis. Am Ufer der Schlei suchen wir schließlich eine Fischbrötchenbude. Wir sind ja Touristen und auch wenn ich selbst ein (Wahl)Küstenkind bin, Fischbrötchen sind nun mal einfach lecker und ungemein nahrhaft. Das Auffinden einer Fischbude erweist sich allerdings als schwierig. Die Stadt ist klein, lebt von der Fischerei und am Ufer stehen jede Menge Kutter – das kann doch nicht so schwierig sein? In Bremerhaven gibt es an jeder Ecke – ich überlege, nein gibt es eigentlich nicht, da kenn ich mich nur aus. Schließlich werden wir fündig.

Auch mal Wetterglück am Hasselberger Strand

#Hasselberg Strand
Da ist die Oktobersonne. Zum Abend warten blauer Himmel, Schäfchenwolken und eine frische Meeresbrise.

Am Abend haben wir dann mal Wetterglück. Die Regenwolken haben sich verzogen, wir sehen zum ersten mal seit langem wieder das Blau des Himmels – ab und an trifft uns sogar ein Sonnenstrahl. Wir nutzen die Gunst der Stunde am Strand von Hasselberg. Zeit für einen Spaziergang. Sandige- und kiesige wechseln sich ab. Mal ist der Strand feinsandig, mal über und über mit, teils wunderschönen, Feuersteinknollen bedeckt. Es ist dieser Abwechslungsreichtum, diese Andersartigkeit, die ich an der Osteeküste mag.

Schließlich ist Sonntag, Abreisetag. Meinen Frust über den Stau vorm Elbtunnel und dem Ausfall der Fähre nach Wischhafen, habe ich mir schon an anderer Stelle von der Seele geschrieben. Dies ist letzlich auch das, was am meisten in meinem Kopf hängengeblieben ist. Für einen 3,5tägigen Kurzurlaub sitze ich nur äußerst ungern fast 7 Stunden im Auto.

7 Kommentare zu „Keine Spur vom goldenen Oktober: Langes Ostseewochenende

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  1. Ich habe selbst erst die Region die du bereist hast besucht, ich hätte dir besseres Wetter
    dafür gewünscht. Allein die alten Schleidörfer sind schon eine Reise wert.

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    1. Es ist wie es ist, ich hatte auch oft genug schon Wetterglück. Wenn ich ehrlich bin, war das Wetter tatsächlich auch besser als vorhergesagt.
      In nächster Zeit wird es uns wohl erstmal nicht mehr in die Region verschlagen. Die Anreise ist, trotz nur 200km Anfahrt, sehr umständlich und staugefährdet.

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  2. Ich kann das Wetter nachfühlen. Bin mit Sturmtief Mortimer nach Fischland-Darß-Zingst gedüst… Hat Vorteile, wenn man Wind und Regen mag. 😉
    Scheint eine schöne Gegend zu sein, dort im Norden SH. Ich hoffe dem Dackel geht es wieder gut?

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  3. Ja, schade, aber das Wetter ist da oben oft so. Ich komme nämlich aus Kappeln, daher weiß ich es genau. 🙂 Du hast sogar die Straße meiner Großeltern fotografiert. Daher habe ich den Beitrag natürlich verschlungen. Schönen Dank auch. Stefanie

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