Wandern: Dem Luchs auf der Spur – von Bad Harzburg zur Rabenklippe und retour

Der erste Akt unseres diesjährigen Sommerurlaubes, der unter dem Motto „Quer durch Mitteldeutschland „ steht,  ist eine abwechslungsreiche aber einfache Wanderung im Harz. Sie führt uns von Bad Harzburg über den Herzogsweg auf den Burgberg, dann weiter zur Rabenklippe mit dem Luchsgehege und schließlich via Molkenhaus und den Ettersklippenweg zurück nach Bad Harzburg. Insgesamt gute 12,5 Kilometer mit je 330 Höhenmeter Auf- und Abstieg.


Von Bad Harzburg auf den Burgberg

Unser Startpunkt ist der Parkplatz am Berliner Platz (280m). Wir queren den Kurpark nach Süden in Richtung Talstation der Burgberg-Seilbahn. Aufgrund der Corona-Situation können derzeit nur vier Personen pro Kabine gen Bergstation fahren. Die Folge sind lange Warteschlangen, zu lange Schlangen. Wir entscheiden uns für den Fußweg. Direkt hinter der Brücke über die Bundesstraße geht es über Steine und groben Schotter bergan. Im lichten Bergwald sind wir immer der Sonne ausgesetzt,  was den Aufstieg zu einer schweißtreibenden Angelegenheit macht. Ab und an ist öffnet sich der Blick über das Kaltetal auf den Ettersberg. Nach gut 1,5km unterqueren wir die neue Baumschwebebahn und erreichen den Antoniusplatz (460m). Wir gehen nicht weiter zur Kuppe des Burgbergs, sondern folgen dem Kaiserweg, weiter leicht bergan, in Richtung Rabeklippe. Nahe dem Sachsenbrunnen, einer kleinen Quelle, erreichen wir die Grenze des Nationalparks Harz.  Ab hier ist der folgende Weg, abgesehen von kleinen Wellen, flach und verläuft zwischen 520 und 550m Höhe. Abgesehen von der Brockenregion ist der Harz kein wirklich „hohes“ Mittelgebirge.

Blick vom Firstweg auf den Brocken und das Brockenmassiv. Der mit großen Abstand höchste Berg im Harz und ganz Norddeutschland. Ein wunderschöner, aber auch trauriger Anblick. Aufgrund von Klimawandel, Stürmen, Dürren und nicht zuletzt dem Borkenkäfer sind riesige Fichtenwälder abgestorben. Aufgrund der Nationalparkpolitik bleiben die Baumskelette stehen. Ein neuer Wald soll sich auf natürlichem Wege bilden.


Nach gut 4km biegen wir links in den Firstweg ab. Erstmals wird der Blick auf das Brockenmassiv frei. Der sagenumwobene, höchste Gipfel, Norddeutschlands – 1.141m hoch. Der einzige Berg in den deutschen Mittelgebirgen, der die natürliche Waldgrenze überragt – ein echter Brocken.

Luchsgehege und Rabenklippe

Schließlich erreichen wir nach guten 6km das Luchsgehege und die Rabenklippe. Die Luchse zeigen sich nicht (ebenso wie ihre wilden Kollegen), auch die Fütterung fällt der Corona-Politik zum Opfer – zu beliebt und zu viele Wanderer auf einem Fleck. Wir kehren im Gasthaus Rabenklippe ein, lassen uns wildreiche Hausmannskost auftischen.

Nach der Stärkung erklimmen wir den Aussichtspunkt an der Rabenklippe (530m). Das Brockenmassiv wirkt von hier aus nochmal imposanter und auch der Tiefblick auf das Eckertal mit der ehemaligen, innerdeutschen Grenze, ist sehenswert.

Gigantischer Ausblick von der Rabenklippe über die Kernzone des Nationalpark Harz auf den höchsten Gipfel Norddeutschlands, den Brocken. Die großen Flächen mit abgestorbenen Fichten sind auch von hier aus nicht zu übersehen.

Über die Ettersklippen zurück nach Bad Harzburg

Von nun an folgen wir dem Luchs, dem Kopf auf der Wegmarkierung, über unspektakuläre Wirtschaftswege zum Molkenhaus (540m), welches wir nach 8km erreichen. Die Gastwirtschaft ist seit 2019 geschlossen – zu unserem Glück sind wir bereits an der Rabenklippe eingekehrt. Wir rasten daher am nahen Hasselteich, einem kleinen Weiher ganz in der Nähe und sammeln noch einmal Kräfte für den Abstieg.

Ettersklippenweg

Kurz hinter dem Molkenhaus beginnt der Ettersklippenweg. Ein schmaler Pfad durch den tiefen und dunklen Bergwald. Kaum ein Sonnenstrahl dringt auf den Boden, es ist beinahe absolut Still, keine Menschenseele weit und breit. Zunächst windet sich der Weg mit nur leichtem Gefälle in Richtung der Kuppe des Ettersbergs (500m). Anschließend geht es in mehreren Serpentinen, steil ins Kaltetal hinab. Die eigentliche Ettersklippe, ein großer Felsen, ist so zugewachsen, dass wir ihn kaum wahrnehmen – überall verperrt das Dichte Blattwerk den Blick ins Tal. Schließlich errreichen wir nach gut 12,5km wieder die Zivilisation und unseren Ausgangspunkt.

Noch ein kurzes Wort zu Bad Harzburg, der alte Kurort ist im Wandel, mit Baumkronenpfad, Klettergarten, Baumwurzelpfad und neuerdings der Baumschwebebahn, ist man dabei sich neu zu erfinden – auch einer jüngeren Zielgruppe. Nicht zuletut gewinnt Wandern immer mehr an Populärität nicht nur coronabedingt. Bad Harzburg, scheint für die Zukunft gerüstet.


Fazit: Unspektakuläre und im Bereich des Burgbergs auch überlaufene Wanderung über meist breite Wirtschaftswege. Im weiteren Verlauf dann mit tollem-, an der Rabenklippe sogar spektakulärem Ausblick über den Nationalpark Harz und auf den Brocken. Die großflächig absterbenden Fichtenwälder stimmen nachdenklich.
Das finale, der schöne Ettersklippenweg ist schließlich einsam, schmal und felsig im tiefen, dunklen Wald gelegen.
Einkehrmöglichkeit im Gasthaus Rabenklippe.
Die Luchsfütterung findet derzeit coronabedingt nicht statt.


Verweise:

siehe auch:

3 Kommentare zu „Wandern: Dem Luchs auf der Spur – von Bad Harzburg zur Rabenklippe und retour

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  1. Wie immer: Sehr schöne Fotos und interessanter Bericht. In der Schweiz stimmen wir demnächst über ein neues Jagdgesetz ab. Dieses ist umstritten, da es den Kantonen viel mehr Handlungsspielraum beim Abschuss von Wildtieren lässt, dazu gehört auch der Luchs. In einzelnen Kantonen ist er kaum vorhanden; man vermutet, dass er dort, wie anderes mehr, gewildert wird. Alles deutet darauf hin, dass das Gesetz angenommen wird, macht man doch den Leuten Angst vor Wolf und Bär. Die Verluste an Nutztieren durch den Wolf sind aber sehr viel kleiner als jene durch Krankheit und Verletzungen auf jenen Alpen, wo die Tiere sich selbst überlassen sind, etwa Schafe.

    Liken

    1. Das Thema wird natürlich immer wieder kontrovers diskutiert. Eine Aufweichung des Schutzstatus‘ beim Luchs stand aber noch nie zur Debatte. Die Schäden von Nutztierhaltern, die sich wohl nie vollkommen vermeiden lassen, werden ausgeglichen. Problematischer scheint das Thema Muffelwild zu sein, welches mach der Ausrottung des Luchses angesiedelt wurde. Da machen die Katzen kurzen Prozess, sehr zum Ärger der Jägerschaft. Von einstmals einigen Tausenden sind nur noch wenige dutzend Tiere geblieben- aber es ist eben keine einheimische Art. Den Abschuss vom Problemluchsen (wie in der Schweiz?) gab es bisher nicht.
      Das Thema Wolf ist ein anderes, der ist inzwischen auch in meiner Heimat angekommen, die Schäden bzw. vor allem die Angst der Schäfer ist beträchtlich. Ich kann das selbst nicht nachvollziehen.

      Gefällt 1 Person

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