Schweizer Gletscher: Vergleichsbilder – Früher und Heute

Das Hauptziel meiner letzjährigen, spätsommerlichen, Schweizreise war der Besuch der schwindenden Eisriesen, meine Sehnsucht nach schmelzenden Gletschern. Dabei schwingt eine gehörige Portion Melancholie mit, denn das einst so ewige Eis der Alpen schmilzt dahin. Die allermeisten Gletscher in der Schweiz werden bis zum Ende des Jahrhunderts verschwunden sein. Die „Überlebenden“ werden klein und nicht wiederzuerkennen sein, sich in große Höhen und unwegsames Gelände zurückgezogen haben.

Der neue, nicht unbedingt geliebte, WordPresseditor bietet eine „Vorher-Nachher“ Bildfunktion. Daher habe ich das Web nach freien und historischen Fotos der von mir besuchten Gletscher durchsucht, beim Morteratschgletscher stammen soagr beide Aufnahmen von mir. Wichtig war vor allem ein möglichst identischer Standort, mindestens aber ein Blickwinkel. Bisher bin ich bei vier Bildern fündig geworden, die einen sinnvollen Vergleich ermöglichen und das Verschwinden des Eises eindrucksvoll dokumentieren.

Fieschergletscher

Der Fieschergletscher ist, nach dem Großen Aletschgletscher, der zweitlängste Eisstrom der Alpen. Während die Gletscherzunge selbst nur schwer zugänglich ist, ist die Zunge vom Wanderweg Märjelensee-Fiescheralpe wunderbar einsebar, dort sind folgende Wiederholungsaufnahmen entstanden. mehr zum Fieschergletscher

Fieschergletscher 1905-2019

Der Fieschergletscher im Jahre 1905 (links) und und im Jahre 2019 (rechts). In der Bildmitte das markante Oberaarhorn. Die Aufnahmepunkte beider Fotos sind zwar nicht vollkommen identisch, zeigen den gleichen Blick auf die Gletscherzunge. Der einst breite und dicke Eisstrom „ertrinkt“ im Schutt und ist im Verleich zur 114 Jahre älteren Aufnahme zu einem „Rinnsall“ geworden. Die Eisdicke hat sich im Bereich der Gletscherzunge teilweise um mehr als 200m verringert.

Fieschergletscher 1908-2019

Der Fieschergletscher im Jahre 2008 (links) und und im Jahre 2019 (rechts). Die Veränderungen der Gletscherzunge, in nur 11 Jahrenn, sind mehr als dramatisch. Der Gletscher hat sich nicht nur verkürzt, er hat in dieser kurzen Zeitspanne auch drastisch an Dicke und Breite eingebüßt. Der Eisstrom verkümmert.

Rhonegletscher

Der Rhonegletscher ist einer der bekanntesten und besterforschten Eisströme der Alpen. Also Ursprung der Rhone, dem wasserreichsten, europäischen Zufluss zum Mittelmeer, kommt ihm zudem eine besondere Bedeutung zu. Auch das Eis des Rhonegletschers schwindet dramatisch und ist wohl nicht mehr aufzuhalten. mehr zum Rhonegletscher

Rhonegletscher 1890-2019

Eisbruch des Rhonelgletschers um 1890 (links) und 2019 (rechts). Blick von der Furkapassstraße zum Hotel Belverdere und zum Rhonegletscher. Noch bis in die 1940er Jahre erreichte das Eis der Gletscherzunge den Talboden, bis in die 1990er Jahre befand sich in der darüberliegenden Steilstufe ein wildzerrissener Eisbruch. Heute ist der Rhonegletscher, von der Furkapassstraße, nicht mehr zu sehen.

Steingletscher

Der Steingletscher ist ein bekannter Talgletscher nahe dem Sustenpass. Noch bis in die 1990er Jahre endete seine Gletscherzunge im proglazialen Steinsee und kalbte dort kleine Eisberge. In den letzten Jahren ist das Gletscherende regelrecht kollabiert, hat sich um mehrere hundert mehter zurückgezogen. Die einstmals formschöne Gletscherzunge ist dabei fast gänzlich abgescholzen. mehr zum Steingletscher

Steingletscher 2008-2019

Steingletscher und Steinsee vom Sustenpass aus gesehen, 2008 (links) und 2019 (rechts). In kaum mehr als 10 Jahren ist die einst so schöne Gletscherzunge mit lehrbuchhaften Gletschertor praktisch vollkommen abgeschmolzen. Auch in den höheren Regionen ist das Eis sichtbar dünner geworden. Auch der Steinlimigletscher (rechts) hat seine Zunge verloren.

Morteratschgletscher

Der Morteratschtgletscher, unterhalb des Piz Bernina, ist der massenreichste Gletscher der Ostalpen. Wie alle Alpengletscher ist auch der vom Klimawandel betroffen. Seine Gletscherzunge zieht sich in hohem Tempo zurück und wird dabei massiv dünner. Der Rückgang des Eisstroms lässt sich auf einem imposanten Lehrpfad erkunden. mehr zum Morteratschgletscher

Morteratschgletscher 2012 und 2017

Die Gletscherzunge der Morteratschgletschers.
Das Zungenende des Morteratschgletschers 2012 (links) und 2017 (schneebedeckt, rechts). In nur fünf Jahren hat der Gletscher enorm an Dicke verloren, der Eisrand hat sich drastisch zurückgezogen. Deutlich zu erkennen ist dies vor allem am im Jahr 2012 noch weitestgehend eisbedeckten Felsriegel, der inzwischen vollständig ausgeschmolzen ist und den Zugang zum Eisrand erschwert.

Themenseite Schweizer Gletscher

Fotovergleich Steingletscher: Originalbild bearbeitet und beschnitten. Urheber: aiace telemonio, Mailand/Italien. Lizenz: CC BY 2.0

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