Rubjerg Knude – Leuchtturm und Tiefblicke (1)

Die dänische Nordseeküste ist für seine nahezu unendlich langen Strände bekannt. Der Sandstrand hat zwischen Halbinsel Skallingen im Süden und der Skagen Odde im Norden eine Länge von fast 400 dünengesäumte Kilometer wie aus dem Bilderbuch.
Die Einzige Ausnahme bildet der Küstenabschnitt zwischen Lønstrup und Løkken im Norden der Insel Vendyssel-Thy. Hier reichen eiszeitliche Moränen bis an die Küste. Dort wo sie auf das Meer treffen hat sich eine spektakuläre, bis zu 50m hohe Steilküste gebildet, das Lønstrup Klingt. Durch die Kräfte von Wind, Wellen und Wetter weicht die Abbruchkante mehrere Meter pro Jahr zurück. Durch diese Erosion werden jedes Jahr große Mengen Sand freigesetzt. Der größte Teil driftet durch die Meereströmungen Nordostwärts. Ein Teil des Sandes wird aber von den stetigen Westwinden erfasst und oberhalb der Steilküste abgelagert. Dort bilden sie die Rubjerg Knude. Eine Gruppe von spektakulären Wanderdünen.
Die Dünen sind ein eindrucksvolles Naturwunder- und Schutzgebiet. Zusammen mit dem Leuchtturm und der Steilküste sind sie eines der Wahrzeichen Nordjütlands – keine Frage, dass auch wir hier aufschlagen mussten.

Auf dem Ostrand der Rubjerg Knude mit Blick nach Norden zum Leuchhturm. Während die Düne im Westen mit der Küste abbricht, wandert die Düne im Osten mehrere Meter pro Jahr in den Wald hinein.

Über die Dünen zum Klippenrand

Um einen echtes Gesamtbild der Dünen und Klippen zu erhalten, bietet sich eine Rundwanderung an. Wir starten am Parkplatz der Rubjerg Knude, wandern über die Dünen zur Klippentreppe bei Nore Rubjerg, dann am Strand nach Norden bis zum Ausfgang bei Lønstrup und über den Klippenradweg zurück zum Ausgangspunkt. In Summe, ohne Abstecher, rund 12km Wegstrecke.
Unser erstes Ziel sind natürlich die Dünen mit dem bekannten Leuchtturm. Währen der erste Kilometer bis zum Dünenrand noch über einen halbwegs befestigten Pfad führt, wird es nun anstrengender. Am steilen, weichen Sand gilt das Motto zwei Schritte vorwärts laufen – einen wieder zurückrutschen. Auch auf der flacheren Kuppe der Düne ist das gehen beschwerlicher als üblich – aber was sage ich, das ist ja bekannt.

Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr

Der bekannte Leuchtturm ist nicht nur optisch einmalig er hat auch eine sprichtwörtlich bewegte Geschichte. Er wurde im Jahr 1900 an einer nur wenige Meter hohen Düne errichtet. Erst gute 10 Jahre später begann die Bildung der heutigen Wanderdüne. Noch bis in die 1950er Jahre hinein versuchte man dem Wachstum des Sandes einhalt zu gebieten – ohne Erfolg. Als die Düne eine Höhe von 50m erreichte, war der Leuchtturm vom Meer aus nicht mehr zusehen und damit überflüssig. Im Jahr 1968 wurde der Betrieb schließlich eingestellt. In den 1990er Jahren dann auch der aussichtslose Kampf gegen die Sandmassen.
Durch die immer weiter fortschreitende Küstenerosion näherte sich die Abbruchkante immer weiter dem Leuchtturm. 2017 Stand er nur noch 8m von der Abbruchkante entfernt. Um den Absturz des Turms zu verhindern, wurde der Leuchtturm 2019 um 70 m verschoben. Bei unserem Besuch stand sein altes Fundament unmittelbar an der Abbruchkante.

An der Abbruchkante

Kaum 70m vom Leuchtturm entfernt klafft der Abgrund. Die Steilküste an der Rubjergs Knude ist an der dänischen Nordseeküste, in ihrer Höhe, unübertroffen. An der ganzen südlichen Nordseeküste – abgesehen von Helgoland, findet sich keine so hohe Steilküste. Einmalig ist auch der Blick auf den Strand und die hier nicht von Sediment getrübten, also tiefblauen Nordsee. Würden wir es nicht besser wissen – wir würden uns an einem ganz anderen Ort wähnen. Sicher sehr viel südlicher, nicht an dem so oft so grün-braunen Meer, an dem auch unsere Wahlheimat liegt.

Forsetzung folgt

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