Unter Dinant: Tropfsteinhöhle Dinant „La Merveilleuse“

Es sind Jahrzehnte verstrichen, seit ich zum letzten Mal in einer (Schau)Höhle gewesen bin. Das letzte Mal muss in meiner Grundschulzeit irgendwo im Sauerland gewesen sein. Ich erinnere mich noch genau wie aufgeregt ich vorher gewesen bin – und wie ernüchtert im Anschluss. Eine schnöde, auf Erwachsene ausgerichtete Führung durch eine Tropfsteinhöhle, Fotos machen verboten, davon würden die Tropfsteine schwarz, das wars. Das blieb hängen – galt aber natürlich nicht für die kaufbaren Bilder. Nun also, mehr als 30 Jahre später, der nächste Versuch.
Die Höhle von Dinant trägt den Namen La Merveilleuse zu Deutsch, die Wunderbare. Die Tropfsteinhöhle wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei Tunnelbauarbeiten für den Eisenbahnbau entdeckt und anschließend zur Schauhöhle ausgebaut. Soweit so gut.

Grotte von Dinant: Höhlenerkundung – auf eigene Faust

Der Höhleneingang ist in ca. 15 Minuten leicht bergauf aber bequem zu Fuß vom Stadtzentrum von Dinant aus zu erreichen. An der Kasse lösen wir Tickets für Eintritt kostet 10€ pro Person. Danach erfolgt eine (sehr) kurze Einweisung in gebrochenem Englisch, auf ein paar zerknitterten Karten werden uns einige Besonderheiten erläutert – und im Anschluss dürfen wir in die Tropfsteinhöhle. Was war das denn? Auf eigene Faust und ohne Führung – das gefällt! Dazu kommt, Fotos machen selbstverständlich erlaubt. Also nichts wie in die Höhle und uns einfach treiben lassen.

Große Halle in der Höhle, tief unter Dinant. Von der Erdoberfläche aus kann man sich nicht vorstellen, welche Klüfte und Hohlräume unter uns liegen.

Naturwunder, tief unter Dinant

Nach kurzem Fußweg erreichen wir den Eingang. Die Höhle ist im Grunde nichts weiter als eine Ansammlung von Klüften im Fels der unter uns, wir stellen uns das oft anders vor, allgegenwärtig ist. Die Grotte von Dinant ist etwa 850m lang und verläuft über drei Etagen. Die Gänge sind relativ breit, aber natürlich trotdem nichts für Personen mit Platzangst. Zu Beginn geht es viele Stufen in engen, aber gut beleuchteten Tunnel abwärts. Die Luft ist muffig und feucht, die Temperaturen liegen auf einem ähnlichen Niveau wie draußen – und natürlich tropft es von der Decke. Wir nehmen uns die Zeit die wir möchten, gehen vor- dann wieder zurück. Wir sind quasi die einzigen Menschen in der Höhle. Der Rundweg, außer dem Weg zum Ausgang gibt es keine Beschilderung, führt  uns durch mehrere große diffus beleuchtete Hallen. Von der Decke hängen Stalagmiten, vom Boden wachsen Stalaktiten. An den Wänden finden sich einige Wasserfälle aus Kalkstein. Eine bizarre Schönheit, tief unter der Erde und mitten im Fels. Es herrscht Totenstille, schaurigschön.


Im Winter, wenn die Temperatur der Höhle höher ist als draußen, wird sie von Fledermäusen bevölkert. Aktuell scheint das noch nicht der Fall zu sein. Der Rundgang dauert, inkl. Stops, rund eine halbe Stunde. Zwischen den verschiedenen Hallen sind insgesamt einige Hundert Stufen zu überwinden. Lohnt es sich? Mir fehlt der Vergleich zu anderen Höhlen und ich bin kein ausgemachter Höhlenfan. Wer aber mal auf eigene Faust eine Tropfsteinhöhle erkunden möchte ist in Dinant genau richtig.

Ein Stalagmit in der Grotte von Dinant. Tropfsteine wachsen sehr langsam, nur etwa 1mm in 10 Jahren. Dieser Stalagmit ist viele Jahrhunderte alt.

Höhle von Dinant: Zufluchststätte im Krieg

Wie Dinant als Stadt hat auch die Tropfsteinhöhle eine kriegerische Geschichte zu erzählen. Zum Ende des zweiten Weltkriegs war Dinant zwischen Amerikanern und Deutschen schwer umkämpft. Viele Menschen aus Dinant versteckten vor den Gefechten in der Höhle. Erst nach 10 Tagen wurden die Deutschen vertrieben und die Geflüchteten konnten wieder an die Oberfläche kommen– eine unheimliche Vorstellung.

siehe auch:

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