Le Hérou: Wanderung auf Ardennenachterbahn entlang und über der Ourthe

Für unseren ersten Tag in den belgischen Ardennen hatten wir uns eine kurze und einfache Rundwanderung vorgenommen. Mittelgebirge, wenige Höhenmeter, das passt schon – aber wie das so ist, am Ende kommt immer alles anders . Unser Ziel ist der „Parc naturelle des deux Ourthes“, in der Provinz Luxembourg. Dort hat sich der namensgebende Fluss, die stark maändrierende Ourthe, bis über 200m tief in die Hochebene eingeschnitten und dabei eine spektakuläre, wilde Landschaft geschaffen, die wir zu Fuß erkunden möchten. Die Ourthe ist ein etwa 200km langer Fluss in Belgien, der wasserreichste Nebenfluss der Maas. Sie entwässerte große Teile der zentralen Ardennen.

In vielen Dörfern der Ardennen erinnert ausgedientes amerikanisches Kriegsgerät an die Befreiung von den Nazis in der Ardennenschlacht im Winter 1944/1945. 80 Jahre Frieden in Mitteleuropa – so darf es gerne bleiben!

Auf zum Felsen „le Hérou“

Wir stellen unser Auto auf dem Wanderparkplatz bei der ehemaligen Gastsätte Belvedere ab. Der Aussichtsturm ist bereits dabei zu verfallen, schade – von dort hätte man sicher einen einzigartigen Blick auf die Flussschleife. Gleich hinter dem Turm beginnt der Wanderweg. Zunächst führt er leicht abschüssig, dann immer steiler- und felsig werdend durch dichten, dann lichten Buchenwald. Schnell erreichen wir die Ausläufer des Felsens „Le Hérou“. Wie ein Bollwerk verperrt der fast 1000m lange Kalksteinfelsen der Ourthe den Weg und zwingt sie in eine 2,5km lange Flussschleife. Am Ausgangspunkt liegen beide Seiten des Mäanders nur 50m außeinander. Dazwischen liegt aber eine 100m hohe, senkrechte Felswand – so schön ist die Natur!

Blick über Ausläufer des „le Hérou“ Felsens auf das Tal der Ourthe und den Umlaufberg „les Hatillesin den erwachenden Frühling – einsam und Natur pur.

An der Kette den Felsen hinab

Wir genießen für eine Weile die Aussicht, dann machen wir uns auf den Weg. Das Problem: wir stehen weit über dem Fluss, aber dort unten befindet sich der Wanderweg. Über einen Einschnitt im Fels müssen wir nun dort hinunter. Wir müssen klettern. Dafür gibt es einen durch eine Kette gesicherten Steig, auf dem wir uns nun regelrecht abseilen müssen – Puh!. Zumindest bei mir fließt der Schweiß in Strömen, denn ich bin nicht wirklich schwindelfrei. Zwar hält sich die Antrengung in Grenzen, aber die Abseilstelle ist immerhin fast 250m lang. Es dauert eine Weile, aber schließich kommen wir stolz und sicher unten an.

Die Ourthe entlang und an Seilen hinauf

Unten angekommen sind wir ganz alleine mit der rauschenden Ourthe. An den Felsen sonnen sich die Eidechsen, um uns herum ergrünt die Natur. Eine wunderschöne Gegend. Im weiteren Verlauf folgen wir der der Ourthe flussabwärts über Kreuz und Quer und sprichwörtlich über Stock und Stein. Mal geht es ein paar Meter hinauf, dann wieder hinunter. Wir umrunden den Umlaufberg „le Hérou“ von unten.

Plötzlich gehte s nicht mehr weiter, der Weg endet im Fluss und scheint nur bei niedrigeren Wasserständen begehbar. Neben uns ragt der Berg in den Himmel und einige Seile deuten an, dass es nun hier hinauf geht. Der Untergrund ist feucht, eine Mischung aus Matsch, Fels und Geröll. Wir müssen das Seil greifen uns uns direkt über eine steile Stelle ziehen, dass scheint uns alles andere als sicher zu sein, aber wir nehmen unseren Mut zusammen. Mit aller Kraft ziehen wir uns ca. 30 Meter nach oben, auf der anderen Seite geht es ohne Sicherung, steil wieder nach unten. Eine gute Wanderausrüstung samt Stöcken sind hier nicht nur Hilfe sondern Pflicht. Der Weg fordert alle Sinne – und das macht Spaß.

Harte Anstiege, fordernde Abstiege

Nach „le Hérou“ folgt der nächste Mäander, der wo die Ourthe den Umlaufberg „les Hatilles“. Der Weg bleibt fordernd, deshalb legen wir eine Rast ein. Auf den Felsen am Ufer genießen wir die Sonne und unser Picknick. Im Anschluss laufen wir noch etwas den Fluss entlang, dann biegen wir rechts in den Wald ab. Es geht richtig steil, für uns gefülhlt senkrecht hinauf auf den Umlaufberg „le Cheslé“. Das auf und ab an der Ourthe hat Kräfte gekostet und das merken wir nun. Oben, an den keltischen Befestigungen schnaufen wir erst mal durch. Im weiteren Verlauf folgen wir dem Grat. An verschiedenen Aussichtpunkten genießen wir das Panorama auf das Tal der Ourthe und das was noch vor uns liegt, ein auf und ab. Eine reinste Achterbahnfahrt durch die Ardennen.

Schnell folgt der nächste, kräftezehrende Anstieg, ehe es wieder steil hinab in das Tal eines Baches geht – und auf der anderen Seite wieder genauso abrupt hinauf. Wir begegnen keiner Menschenseele, laufen an keinem Haus vorbei, an keiner befestigten Straße. In schneller Folge folgen im Wald die nächsten, wenn auch kürzeren Auf- und Abstiege ehe uns der Schlussanstieg endlich zurück zum Auto führt – fast wie beim Fahrradrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich, nur zu Fuß.

Die ergrünenden Hügel der Ardennen, ein Wanderparadies.

Wunderschöne, äußerst abwechslungsreiche und vor allem härter als gedachte Rundwanderung. Das stetige auf- und ab zum Ende zehrt an den Kräften. Die Tour ist vor allem landschaftlich sehr zu empfehlen.

Start/Ziel: Parkplatz Belvédere (365m)
Strecke: 10,8km
Gesamtaufstieg: 550 Höhenmeter
Gesamtabstieg: 550 Höhenmeter
Höchster Punkt: ca. 400m
Tiefster Punkt: an der Ourthe ca. 250m
Schwierigkeit: Schwer

siehe auch:

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