Unterm Dach I : Skihalle Landgraaf

Snowworld Landgraaf – Die erste Nachtskihalle Weltweit

Langes Wochenende, tristes Einheitsgrau, Dauerregenmatsch und kaum 8 Stunden Tageslicht – Mitteleuropäischer Herbst. Die Zeit  des Wartens auf das Christkind – den richtigen Winter.
Zeit für mich, nach langer Durststrecke, endlich wieder einige Zeit auf der schönen Autobahn zu verbringen. Vorab hatte ich mir, für die zwischenzeitlich nötigen Pausen, zwei monströse Stahltempel spätrömischer Dekadenz ausgewählt.

Erstes Ziel war die Kältefabrik Snowworld Landgraaf. Das Stahlmonster bedeckt eine Fläche von rund 3,5 Hektar und liegt auf einer Halde, einem künstlichen Berg in der Landschaft – keine Frage, Holland ist ja ansonsten flach. Hinzukommt, das Skihallen ohne Frage fantastisch in die Niederlande passen. Ein synthetisches Land, industrielle Nahrungsmittel, Bubble-Gum Pop – da passt das Indoorskifahren perfekt hinein.

Innerhalb der Fabrikhalle surren bis zu 4 Liftanlagen zuzüglich einiger Förderbänder. Drei Liftanlagen erschließen die Gesamte Hallenlänge: Jeweils ein Tellerlift am linken und rechten Rand sowie eine fixgeklemmte Sechser-Sesselbahn in der Mitte, leicht nach links versetzt. Zusätzlich findet sich ein weiterer Tellerlift, welcher die oberen 2/3 der Halle, den Funpark, in der Mitte der Halle erschließt. Dazu wird damit geworben, die weltweit größte Skihalle zu sein – kann ich schlecht überprüfen, aber könnte etwas dran sein.

Am Linken Hallenrand findet sich eine gut 400m lange „rote“ Abfahrt, am rechten Rand eine ebenso lange blaue. In der Mitte liegt eine weitere, wen wundert’s, auch 400m lange Abfahrt, welche aber zu großen Teilen von einem wirklich ansehnlichen Funpark eingenommen wird – das ganze jeweils mit einem für Indoorverhältnisse ansehnlichen Höhenunterschied von fast 70m.
Ganz rechtsaußen findet sich noch ein kleinerer Anfängerbereich.
Ingesamt bietet die Snowworld Landgraaf also ehrliche 1,5km Abfahrten und ist damit fast so groß wie der Stubaier Gletscher (…). Gut ich will nicht abschweifen. Komme ich also zum Skifahren, als dem weshalb ich eigentlich hier bin.

Nachdem Eintritt in die, natürlich, auf Alpenkitsch getrimmte Halle führte mich mein Weg zur Kasse. Hier werden 20€ für den Stundenskipass sowie weitere 2€ für eine Parkmünze fällig. Tja günstig ist anders aber für denjenigen, der in unseren Gefilden zu dieser Jahreszeit Skifahren möchte ist es immerhin preiswert. Nach der Kasse geht es durch zweckmäßige Umkleidebereiche mit angeschlossenen Skiverleih in die eigentliche Halle. Das Stundenticket zählt nur während des Aufenthaltes in der Halle herunter, heißt möchte man sich drinnen ein bisschen aufwärmen, stoppt die Zeit. Ich bin allerdings durchgefahren – macht bei nur 60 Minuten auch Sinn.

Also, auf geht’s. Nach der Murmelebahn am Stubaier und dem 6er am Tuxer Sommerberg glaube ich erst die dritte fixgeklemmte 6er Bahn die ich gefahren bin. Da das schon ein Weilchen her ist – ich wusste gar nicht mehr wie langsam diese Dinger sind. Immerhin gab’s keine Wartezeiten – wär ja auch noch schöner! Immerhin bietet die typisch niederländische Bum-Bum Musik die durch die Halle dröhnt ein gewisses Maß an Abwechslung – mein Fall ist es aber nicht. Trotzdem besser als keine, so kommt der Industrielärm samt Hallenbadhintergrundgeräusch nicht so zum tragen. Ein Durchgang, Liftfahrt samt Abfahrt, dauert übrigens etwa 4 Minuten.

Die „rote Abfahrt“ machte mir nicht den Eindruck, als wäre sie irgendwie steiler als die rechte, „blaue“. Hier trainierten einige Raceboardfahrer auf der road to Sochi – also obs für die Holländer da was zu holen gäbe…

Etwa auf 1/3 der Höhe liegt, mitten auf der Piste, eine Skihütte. Ich habs zwar nicht ausprobiert, könnte mir aber vorstellen, dass hier, in einer größeren Gruppe und reichlich doch so etwas wie Winterstimmung aufkommen könnte.

Übrigens – in derr Halle ist es nicht gerade taghell. Die Beleuchtung ist zwar durchaus ausreichend, insgesamt erinnert das ganze aber eher an Flutlichtfahren – Nachtski bei Tageslicht in der Halle sozusagen. Die Bauweise der Halle, ebenerdig auf einer Halde, relativ niedrige Decke – lässt das ganze doch etwas beengt wirken. Trotzdem ist die Decke sicherlich 6-8 Meter hoch. Immerhin ist es so nicht möglich, bis zur Talstation zu schauen. Dafür sorgt auch die leicht geschwungene Bauform, welche der Piste eine sanfte Kurve aufzwingt. Die Abfahrt ist weder steil, wäre glaube ich zielgruppentechnischg in einer Halle auch ziemlich ruinös, noch zu flach. Man erhält durch das Gefälle zumindest eine passable Geschwindigkeit.
Leider waren die Schneeverhältnisse, zumindest auf der blauen Abfahrt nicht die besten. Die Auflage machten einen alten, sandmäßigen Eindruck und bei starken Aufkanten drang man bis zum Untergrund (Eis oder Erde) durch.
Trotzdem ließ es sich herrlich, im schnellen kurzen Schwung, durch den Schnee pflügen.

Nach einigen Sesselbahn Fahrten, genervt von dessen Langsamkeit, probierte ich dann mal den rechten Tellerlift aus. Schnell stellte sich dies als schlechte Idee heraus – das ganze erwies sich als noch langsamer.

Schließlich musste noch der weitere, geöffnete Schlepper getestet werden (der Tellerlift an der roten Abfahrt blieb geschlossen). Dieser erschließt den Funparkbereich – wobei beim großen Kicker frage ich mich schon ob man dort nicht an die Decke stößt….
Immerhin gab es rund um die Parkelemente noch ausreichend Platz für die ein oder andere Abfahrt. Hier war der Schnee deutlich kompakter, ja gar griffig, so das die Abfahrt hier deutlich vergnüglicher war. Fortan nutzte ich die verbliebene Zeit nur noch in diesem Bereich (Auffahrt mit der 6SB).

Schließlich waren die 60 Minuten vorrüber. Wesentlich länger hätte ich es auch nicht ausgehalten. Klar macht es schon Spaß, sehr kurzweilig ist es aber trotzdem. Die Abfahrten sind für Hallenverhältnisse recht passabel, nicht zu flach und auch mit einer recht ordentlichen Länge gesegnet. Da gibt es, der Vergleich mit dem Sauerland sei erlaubt, durchaus kürzere und langweiligere Pisten. Dennoch, die Skihalle hat ein Problem – sie ist nicht draußen. Ab und an ist es also ganz spaßig, aber mehrmals im Jahr (oder gar im Leben?) kann ich mir so etwas nicht geben.

Pro:

  • Für Hallenverhältnisse recht schöne, lange und relativ abwechslungsreiche Abfahrt
  • Griffige Abfahrt durch den Funpark

Kontra:

  • 2€ Parkgebühr
  • seeeeeeehr langsame Lifte, wird ganz schön kalt.
  • gesperrte rote Abfahrt
  • schlechte Schneeverhältnisse
  • niedrige Decke lässt das ganze sehr beengt wirken.

siehe auch:

2 Kommentare zu „Unterm Dach I : Skihalle Landgraaf

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