Sommerausblick: Düstere Wolken am Horizont

Derzeit herrschen in Deutschland vielerorts Betretungs- und defacto auch Einreiseverbote über Bundeslandgrenzen hinweg. Eigentlich und im Normalfall kaum vorstellbar. Die Nordseeinseln sind für „Auswärtige“, Touristen und oft auch für Einwohner mit Zweitwohnsitz tabu. Ähnliche Regelungen gelten auch für die Schleswig-Holsteinische Ostseeküste sowie in Mecklenburg-Vorpommern. Auch in unserer Region, etwa in Cuxhaven, dürfen nur Bewohner des Landkreises an die Strände – ein leidiges Thema.
Was einst nach einer Maßnahme für die Ostertage, die Ferien klang, setzt sich nun auch nach den Ferien fort – bei weit geringeren Infektionszahlen und zu erwarteten Tagesgästen.  Ein Ende ist nicht in Sicht.
Was angesichts der außer Kontrolle zu geratenden Corona-Pandemie vielleicht noch nachvollziehbar ist, schießt nicht erst jetzt, stellenweise, deutlich über das Ziel und das Annehmbare hinaus – man denke etwa an „Grenzkontrollen“ auf der grünen Wiese zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein oder die Absage von Großveranstaltungen über 4 Monate im Voraus.
Nun lässt sich mich ein Satz von Daniel Günther, seines Zeichen Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, erneut aufhorchen :

„Wir beginnen bei uns mit den Zweitwohnungen [….] dann kommen die privaten Vermietungen, dann die Hotels dran, zuletzt würden dann Tagestouristen wieder zugelassen.“

Ein kurzer Satz, der bei mir eine düstere Sommerprognose weckt. Tagestouristen dürfen auch im Sommer nicht an die Strände. Die bleiben den zahlenden, Übernachtungsgästen vorbehalten, getreu dem Motto, wer zahlt – und zwar nicht zu knapp, darf auch unsere Natur betreten, den Strand betreten. Das Konstrukt zielt natürlich vor allem auf die arg gebeutelte Tourismusindustrie ab – ist aber ein fatales Signal.
Übertragen auf uns und angenommen Cuxhaven trifft eine ähnliche Entscheidung schwant mir da böses.
Wir Bremerhavener, Bewohner des Oberzentrums-, dem Hauptarbeitgeber und Motor der Region, einer Enklave im Landkreis Cuxhaven die darüber hinaus mit Ärzten und Krankenhäusern unter anderem auch die Gesundheitsversorgung der Landkreisbewohner sichern, sind bereits jetzt unerwünschte Tagestouristen.
Sollten wir das auch im Sommer bleiben? Ausgesperrte aus der eigenen Region? Während zahlungskräftige Übernachtungsgäste sich den Zutritt erkaufen? Es sieht ganz danach aus . Auf gute Nachbarschaft!


Verweise:

6 Kommentare zu „Sommerausblick: Düstere Wolken am Horizont

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  1. Ich bin sehr gespannt was da noch alles passiert ! Den Urlaub im Ausland können wir dieses Jahr vergessen und so bleibt uns nur „Zuhause“ oder innerhalb Deutschland ! Ich möchte mir nicht vorstellen wenn all diese Touristen innerhalb der Landesgrenzen ihren Urlaub verbringen. Nord und Ostsee werden vermutlich komplett überlaufen sein und bei uns im Süden vermutlich Bodensee oder der Schwarzwald und die Deutsche Alpenregion.

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  2. Das ist genau das Problem – wenn alle , die sonst ins Ausland fliegen, Ihren Urlaub auch an unseren Küsten verbringen wollen… Ich wohne nicht weit von den Stränden von St. Peter und Büsum und ich meide diese schon in „normalen“ Sommern. Es ist mir dann einfach zu voll. Auch ohne Corona lasse ich den zahlenden Übernachtungsgäste und Tagestouristen im Sommer den Vortritt.

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    1. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man es zulässt, dass die Orte aus allen Nähten platzen – was für mich heißt, hohe Nachfrage, kleines Angebot, hohe Preise…. Viele der Frühbucher dürften bereits storniert haben.
      Ansonsten handhaben wir das ganz genauso wie du. Zu Ferienzeiten meiden wir die Touristenstrände soweit möglich, dort bekommt man keinen Fuß auf den Boden. Zum Baden taugen diverse Stellen am Wattenmeer und wenn uns nach Strand ist, fahren wir an die Weser.
      Letzlich geht es mir aber auch nicht darum, vielmehr um das mögliche Aussperren der Anrainer.

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  3. OOH Boah ist das bitter. Solange an den Stränden kein Geld verdient werden kann, solange sollen wir bitte schön dort wegbleiben, auch wenn wir aus der Region kommen. Ich sehe aber CUX Autos hier im Teufelsmoor. Meine Gedanken schweifen dahin ab, doch bitte schön die Landesgrenze ins Cuxland zu sperren 😉 Im Normalfall fahre ich sowieso nur im Winter an die CuxStrände, um dem Tourismus dort zu entgehen und dem Hund freien Lauf zu gönnen, aber was ist schon normal jetzt. Sehnsucht nach Meer ist halt groß. Grüsslies

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  4. Spannende Zeiten, was?! An diesen Beispielen zeigt sich ja total, wessen Geistes Kind die Entscheider sind.

    Jüngster Schildbürger-Streich von Daniel Günther: die Golf-Clubs im Hamburger Speckgürtel machen wieder auf – aber die Hamburger Mitglieder dürfen nicht kommen. Das ist total aberwitzig, denn es sind Hamburger Clubs, die auch dem Hamburger Verband angehören. Die „Grenze“ ist im Umland natürlich fließend, führt durch Viertel, Ortschaften, Wohnstraßen – und auch Golfplätze. Ob ich jetzt dort spielen darf, hat dann nur was mit meiner Hausnummer zu tun.

    Mit Golfern hat man natürlich tendenziell weniger Mitleid, Stichwort Luxusproblem – aber die Sache zeigt ganz gut, wie die Regierung von Schleswig-Holstein immer tiefere Gräben zu Hamburg zieht. Auch wenn ich gar nicht Golf spielen will, ist es schon ein komisches Gefühl, von einer Landesregierung derart aktiv ausgegrenzt zu werden. Das hat etwas ganz Agressives.

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