Wandern: Via Hexentanzplatz und Kästental in die Bodeschlucht

Der Sommer gibt noch einmal Gas. Die Wettervorhersage verspricht Sonnenschein von früh bis spät sowie Spitzenwerte von bis zu 35°C. Vielleicht nicht die Besten Voraussetzungen für eine Bergwanderung – wir hoffen aber, dass die schattigen Wälder und die tiefe Schlucht der Bode uns vor dem Hitzschlag bewahren. Vor uns liegt eine rund 14 Kilometer lange aussichtsreiche und sehr abwechslungsreiche Wanderung: Von Thale auf den Hexentanzplatz, durchs Kästental zur Bode, schließlich zurück durch die Bodeschlucht nach Thale.

Mit der Seilbahn zum Hexentanzplatz

Morgendlicher Blick von der Bodebrücke, nahe der Seilbahn-Talstation, flussaufwärts. In der Ferne die Klippen des Hexentanzplatz‘ mit den Bergbahn-Gondeln. Es verspricht ein wunderschöner Tag zu werden. Auf gehts!

Unsere Unterkunft und Ausgangpunkt liegt nahe dem Bahnhof von Thale (175m). Aufgrund des Wetterberichts und der Erfahrungen am Burgberg in Bad Harzburg starten wir unmittelbar nach dem Frühstück. Zunächst laufen wir zur Talstation der Seilbahn zum Hexentanzplatz (187m). Die Kabinenbahn erspart uns den steilen und schweißtreibenden Aufstieg durch die Klippen zum Hexentanzplatz (431m) und damit rund 250 Höhenmeter. Das schont unsere Kräfte – denn die werden wir später noch brauchen. Die einfache Bergfahrt kostet 5€, Hunde fahren kostenlos.

Panorama von der Bergstation der Seilbahn-Hexentanzplatz. Links, auf der gegenüberliegenden Talseite das Massiv der Rosstrappe, rechts reicht der Blick über Thale bis weit ins Harzvorland und die Norddeutsche Tiefebene hinein.

Die Bodetal-Seilbahn bringt uns in weniger als 5 Minuten auf den Berg. Die dritte Generation der Kabinenbahn ist inzwischen auch schon 8 Jahre alt, der gläserne Boden entsprechend verkratz- und versetzt damit nicht einmal mehr unseren Hund in Angst und Schrecken. Dafür sorgt der starke Wind, der die Gondel nicht nur hin- und her schaukelt sondern auch sprichwörtlich durch alle Löcher pfeift. Sehenswert ist in jedem Fall die Kulisse. Die Seilbahn ist steil, die Aussicht auf das Bodetal und die -Schlucht samt den umgebenden Felsmassiven schon aus der Gondel wunderschön.

Hoch über dem „deutschen Grand Canyon“

Oben angekommen stapfen wir zunächst wenig herum. Walpurgishalle, Bergtheater, Hexentanzplatz, hier oben dominiert die Harzer Sagen- und Mythenwelt. Vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen, denn bisweilen wirkt es etwas kitschig. Wir suchen mehrere Aussichtspunkte auf, das Panorama ist spektakulär und innerhalb der Mittelgebirge fast konkurrenzlos.

Tiefblick vom Hexentanzplatz ins Bodetal. Tief unter uns, unterhalb der Wände der Rosstrappe liegt das Gasthaus Königsruhe wo wir später einkehren – nachdem wir einen rund 10km lange Schleife gedreht haben.

Schwenk zur Rosstrappe auf der anderen Talseite. Ob hier wirklich ein Pferd samt Reiterin erfolgreich über die Schlucht gesprungen ist? Wohl kaum – aber mit der richtigen Motivation? Vielleicht ja doch!

Über das Plateau zum Kästental

Schließlich verlassen wir den mit Zoo, Sommerrodelbahn, diversen mystischen Attraktionen und Imbissbuden gepflasterten „Freizeitpark Hexentanzplatz“ und gelangen auf den“richtigen“ Wanderweg. Von hier an begegnen wir kaum mehr einer Menschenseele. Schnell erreichen wir die „La Viershöhe“ liegt (479m). Eine felsige Erhebung, die nach Norden hin steil zur Bode hin abbricht. Die letzte Aussichtsmöglichkeit in die Schlucht, liebevoll auch „Deutscher Grand Canyon“ genannt, auf der von uns gewählten Route.

Wanderweg von Hexentanzplatz in Richtung Kästental. Der Trubel spielt sich im „Freizeitpark Hexentanzplatz“ ab, schon wenige Meter weiter sind wir fast allein.

Tiefblick von der „La Viershöhe“ in die Schlucht. Das Tal ist hier so Eng, dass der Grund nicht zu sehen ist. Hier liegt der sogenannte Bodekessel.

Von nun an wandern wir durch lichten, mal mehr, mal weniger schattigen Bergwald. Irgendwo hier erreichen wir auch den höchsten Punkt der Wanderung (485m). Nach einer kleinen extra Schleife, wir haben den Abzweig ins Kästental verpasst, sind wir nun wieder auf der angedachten Route. Hier oben haben Stürme, Klimawandel und anschließend die Forstwirtschaft ganze Arbeit geleistet. Der ganze Wald ist weg. Kahlschlag. Obwohl die Wanderung bis dato weitestgehend flach war, kommen wir mehr und mehr ins Schwitzen, Schatten fehlt. Es ist heiß und unsere Wasservorräte beginnen mehr und mehr zu schrumpfen.

Kahlschlag im oberen Kästental. Klimawandel, Stürme, Borkenkäfer und schließlich die Forstwirtschaft haben ganze Arbeit geleistet.

Durchs wilde Kästental

Der nun schnell an Höhe verlierende Wirtschaftsweg ist von Baumaschinen zerfurcht, zum Glück meist trocken. Idylle sieht anders aus – aber wir haben sie bald zurück. Am Waldrand wandelt sich der Fahrweg – der eigentliche Pfad durchs Kästental beginnt – oft nur wenig mehr als ein besserer Trampelpfad. Zunächst ist der Weg noch weitgehend harmlos, hier und da gilt es ein paar umgestürzte Baumriesen zu über- oder unterqueren. Neben uns plätschert friedlich der Kästenbach. Die Hälfte der Wanderung liegt nun hinter-, der anstrengendste Teil direkt vor uns.

Der Pfad durch das Kästental ist äußerst abwechslungsreich, teils gar abeuteuerlich. Neben diversen Bachquerungen sind diverse Baumstämme zu über- und unterqueren. Stellenweise geht es über Felsen und Geröllhalden und schmale Pfade am Abrund entlang – manchmal sind alle vier Gliedmaßen gefragt.

Dieser Abschnitt unserer Rundtour ist kaum länger als einen Kilometer, wir verlieren nicht einmal 150 Höhenmeter. Trotzdem brauchen wir fast eine Stunde bis ins Bodetal. Der eben noch so friedliche Pfad wird nun tückisch und abenteuerlich. Mal geht es steil bergab, dann auf schmalem Fuß hoch über dem Abgrund hinweg. Hier und da ist Trittsicherheit erforderlich. Es teils rutschig, auch loser Schotter und ganze Geröllfelder gilt es zu meister. Umgestürzte Baumriesen müssen unter Einsatz aller vier Gliedmaßen über- oder unterquert werden. Ein echtes Abenteuer, nie waren unsere Wanderstöcke nützlicher als hier. Nach einem steilen Finale stehen wir schließlich am Ufer der Bode.

In der Bodeschlucht

Wir haben das Bodetal erreicht

Die nun folgenden, knapp 6 Kilometer, schlängelt sich der Weg durch die Bodeschlucht in Richtung Thale. Zunächst laufen wir noch nah am Wasser, später, im zunehmend enger werdenden Canyon geht es auf und ab, häufig der Pfad weiter oberhalb des Flusses. In der engen Schlucht sind die Temperaturen zwar angenehmer als außerhalb, dennoch ist es heiß. Knapp 4 Kilometer vor dem Gasthaus Königsruhe geht uns das Wasser aus…

Der sogenannte Bodekessel ist der engste und wildeste Teil der Bodeschlucht. Hier ist das Tal so schmal, das der Fluss auf beiden Seiten von senkrechten Felswänden gesäumt wird.

Die Schlucht wird immer enger, ist aber fast immer so stark bewachsen, dass der Blick auf die steil aufragenden Felsen verborgen bleibt. Dies ändert sich erst Verlauf und zwar dort, wo das Tal am schmalsten ist, etwa einen Kilometer vor dem Gasthaus Königsruhe. Hier bleibt kein Platz mehr für einen Wanderweg. Die Wände sind oft zu steil und zu felsig für einen dicheren Bewuchs. Vor uns zeigt sich die umgebenden Felsen in ihrer ganzen Pracht – allen vorran die bekannte Rosstrappe.

Ich verlauf zeigen sich die umgebenden, blanken Felswände in ihrer ganze schroffen Schönheit. Hier der Blick aus dem Bodetal auf die Wände auf der Südseite der Rosstrappe. Hätten wir vergessen im Harzu zu sein könnte man diesen Ort auch auf Korsika verorten.

Gasthaus Königsruhe und zurück nach Thale

Wir nähern uns dem Finale. Über die Teufelsbrücke queren wir die Schlucht und erreichen kurze Zeit später das Gasthaus Königsruhe dessen Biergarten zu den schönsten Deutschlands zählen soll. Wie auch immer, wir haben kein Auge dafür unsere ausgetrocknenten Körper verlangen nach Flüssigkeitsnachschub und den bekommen wir hier – endlich. Das Tablett ist voll, binnen weniger Minuten rauschen 1,5 Liter Radler durch meine Kehle – so wie neben uns die Bode unter der Jungfernbrücke. Meiner besseren Hälfte ist eher nach anderer Flüssikeit, auch nach gefrorenem.

Nach mehr als 10 Kilometern Strecke und vielen Höhenmetern in den Knochen verlangen unserer Körper nach Flüssigkeitsnachschub. Auch der Geist ist gierig. Das Gasthaus Königsruhe, unmittelbar an der Bode und der Jungferbrücke läd dazu ein.

Wir erfrischen uns, entspannen ein wenig. Schließlich raffen wir uns mit Wasserbäuchen auf, laufen die letzten zwei, imzwischen flachen Kilometer, zurück nach Thale.

Statistik:
Länge der Tour 13km (zzgl. 1km Umweg)
~150 Höhenmeter Aufstieg, ~400 Höhenmeter Abstieg.


Verweise:

3 Kommentare zu „Wandern: Via Hexentanzplatz und Kästental in die Bodeschlucht

Gib deinen ab

  1. Hey, da seid ihr ja eine meiner Lieblings(geheim 😉)-routen im Bodetal durch das Kästental gegangen! Aber als ich das letzte Mal vor etwa 2 Jahren da war, gab es auch oben noch dichten Wald. So wie es jetzt aussieht (auf deinem Foto) kann man sich gar nicht vorstellen, dass dort noch mal was wachsen wird … Liebe Grüße und schön, dass es euch mal in den Harz verschlagen hat! Andrea

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, das war „deine“ Route. Hab mir deinen Beitrag dazu vorher nochmal ausgiebig angeschaut :-). Vielen Dank für den Tipp!
      Irgendwo ist der Weg durch das Kästental auch die einzige Möglichkeit einer sinnvoller Rundtour (weder zu lang noch zu Kurz) durch das Bodetal.

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