Verzeifelter Kampf gegen den Klimawandel: Snowfarming am Zugspitzplatt

An der Zugspitze liegen drei der fünf-, sowie die beiden mit Abstand größten deutschen Gletscher. Nördlicher- und Südlicher Schneeferner auf dem Zugspitzplatt sowie der Höllentalferner nördlich, unterhalb des Gipfels. Aufgrund des Klimawandels sind alle, mehr oder weniger, in ihrem Bestand bedroht, verlieren Sommer für Sommer an Masse, Dicke und Ausdehnung.

Schneeferner Schneefernerkopf Skigebiet Zugspitze
Das Zugspitzplatt südlich des Gipfels mit dem Skigebiet auf dem Zugspitzgletscher. Rechts der Nördliche Schneeferner, links die Reste des Südlichen Schneeferners, beide vom Winterschnee überdeckt.

„Gletscherbewirtschaftung“ auf dem Zugspitzplatt

Die beiden Gletscher auf dem Zugspitzplatt, insbesondere der größte Deutsche Gletscher, der Nördliche Schneeferner, sind von besonderer Bedeutung für den Tourismus und das Skigebiet. Beide Eisflächen sind in das Skigebiet integriert und durch Liftanlagen erschlossen. Einst wurde ich sogar im Sommer Wintersport betrieben, inzwischen, mangels Schnee und Nachfrage nur noch zwischen Herbst und spätem Frühjahr. Jährlich verlieren die Gletscher etwa einen Meter an Dicke und schrumpfen auch in der Fläche. Der Südliche Schneeferner steht kurz vor dem entgültigen Abschmelzen. Derzeit (2009) misst der Nördliche Schneeferner noch knapp 30 Hektar und ist bis zu 50m dick, der Südliche- 8 Hektar und maximal 15m.

Den Klimawandel aufhalten, vorrübergehend

Um die Gletscherschmelze aufzuhalten, zumindest aber zu verzögern, den Skibetrieb zu sichern, werden beide Gletscher vor allem aber der Nördliche Schneeferner, regelrecht bewirtschaftet, Snowfarming. Dabei werden im Frühjahr von Pistenraupen, Schneemassen von außerhalb der Eisfläche auf den Gletscher geschoben und anschließend verdichtet. Die so künstlich vergrößerte Schneemenge soll das darunter liegende Eis vor der warmen Sommersonne schützen und diesen möglichst sogar überstehen. Teile des Gletschers, wenige Hektar, werden mit Platikplanen abgedeckt. Der Schnee wird so vor Regen und Sonne geschützt und so teilweise in den nächsten Winter gerettet. Diese Abdeckungen erfolgen jedoch vor allem im Bereich der Lift und Pistenanlagen. Von einem wirklichem Gletscherschutz kann keine Rede sein. Die Maßnahmen sind nur begrenzt wirksam, zögern das unvermeidliche nur hinaus. Das Eis schmilzt trotzdem und das Tempo nimmt zu.

Nachtrag 2019: Inzwischen ist der Südliche Schneeferner praktisch verschwunden. Dazu existiert nur noch ein Gletscherlift auf dem Nördlichen Schneeferner. Die Bewirtschaftung des Gletschers wird zwar fortgesetzt, der verbliebene Gletscher hat in den letzten 10 Jahren aber gut die Hälfte seiner Masse und seiner Ausdehnung verloren. Man kämpft einen aussichtlosen Kampf gegen die Auswirkungen der Erderwärmung.


Zugspitze_2009-Banner

Zur Übersichtsseite „Rund um die Zugspitze 2009“


siehe auch:

Externe Verweise:

6 Kommentare zu „Verzeifelter Kampf gegen den Klimawandel: Snowfarming am Zugspitzplatt

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  1. Es ist der „Wahnsinn“ was sich in unserer Umwelt abspielt. Ob in den Bergen oder Urwäldern, wo gnadenlos abgeholzt wird. Noch immer haben viele Menschen den Ernst der Lage nicht voll erfasst.
    LG Jürgen

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    1. Es sind ja leider nicht nur die Berge oder die Urwälder. In diesem Fall ist es nur eine Reaktion auf den Klimawandel. Man versucht eben seine wirtschaftliche Grundlage so lange wie möglich zu erhalten, wenn auch irgendwann vergeblich. Sicher fragwürdig, aber ach ebenso verständlich. Wahnsinnig finde ich vor allem unsere Doppelmoral, vor allem die unserer Politiker, was Umwelt- und Klimafragen betrifft. Wort und Tat könnten nicht weiter auseinander klaffen, letzlich lebe aber auch ich und irgendwo jeder Mensch diese Doppelmoral. Es muss endlich ein gesunder Mittelweg zwischen Nutzung und Erhaltung der Umwelt und Natur gefunden werden. Zumindest das rücksichtslose Ausbeuten muss aufhören.

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  2. Überall schmelzen die Gletscher. Doch wer weiss…vielleicht wachsen sie eines Tages auch wieder??? Und gleichzeitig frage ich mich, ob sich die Menschen, die auf einem Gletscher Skifahren bewusst sind, wieviel Arbeit und Kosten entstehen, um ihn überhaupt zu erhalten und fahrbar zu machen?

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    1. Richtig ist, Gletscher werden irgendwann auch wieder wachsen. Ganz sicher aber nicht zu unseren Lebzeiten. Das Tempo mit dem die Eismassen der Erde derzeit schmelzen ist zumindest innerhalb der modernen, Menschheitsgeschichte einmalig. Über den Aufwand für den Skigebrieb auf einem Gletscher bin ich mir durchaus bewusst, darüber habe ich hier: https://wasserundeis.com/2012/10/04/rettenbachferner-schmelzen/ schon einmal geschrieben. Wobei dieser Aufwand durch das Abschmelzen des Eises deutlich höher ist, als zur Zeit der Erschließung. Heute würde man dies vermutlich nicht mehr machen. Was die (finanziellen) Kosten betrifft, die Zahlen ja letzlich die Gäste. Die liegen nicht unbesingt höher als in „normalen“ Skigebieten. Auf der Zugspitze gibt es zum Beispiel keine Kunschneeanlage. Erhalten kann man die Gletscherskigebiete sicher mit keinem Geld der Welt.

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