Mein Senf: Braucht Bremerhaven eine neue Seute-Deern?

Bremerhaven ist eine junge Stadt, gegründet als Hafen von Bremen, vor weniger als 200 Jahren. Es gibt kaum Historie, der zweite Weltkrieg begrub das was war erneut unter Trümmern. Krisen in der Fischerei und dem Schiffbau, vor kurzem erneut in der Windindustrie, brachten Arbeitslosigkeit. Das trug auch dazu bei, dass die Stadt klamm wurde.

Die Seute-Deern gehört zu den wenigen, älteren, Sehenswürdigkeiten der Seestadt. Viele Bremerhavener gaben sich hier das „Ja-Wort“, verbinden viele schöne Erinnerungen an das Schiff und hängen entsprechend an der Bark. Im krassen Gegensatz dazu wurde das Alte Standesamt vor kurzem ohne viel Tam Tam geschlossen. Nunja.

Und sonst? Es bei weitem nicht so, dass das Herz aller Bremerhavener an diesem Holzfrachter hängt. Im Gegenteil, das Schiff ist Bestandteil einer kontroversen Diskussion. Auch aus touristischer Sicht ist das Südende des Alten Hafens vielleicht die ruhigste Ecke in den im neuen Jahrtausend entstandenen Havenwelten. Ich persönlich, ich bin kein gebürtiger Hanseat, habe eher den Eindruck, Politk und Touristik möchten die Seute-Deern nachträglich zu dem Wahrzeichen der Seestadt hochstilisieren.
Vielleicht auch um das oft negative Bild der Bremerhavener von sich selbst nicht noch zu intensivieren – keine Ahnung. Meiner Meinung nach ist der Hafen, auch mit seiner Geschichte, das wahre Wahrzeichen-, das Aushängeschild der Stadt – denn ohne Hafen kein Bremerhaven. Ein Tor zur Welt, ein Motor der deutschen Exportwirschaft, ein touristischer Anziehungspunkt. Kein alter, maroder Holzfrachter der nicht einmal hier gebaut wurde. Dieser taugt eher dazu das bestehende Bild der Seestadt in der Öffentlichkeit zu manifestieren. Bremen und Bremerhaven verbrennen Geld.

Alleine die Verschrottung, die man nicht einmal so nennen darf, kostet 2,5 Millionen Euro – wer dafür aufkommt? Das Museum als Eigentümer ist klamm, die Stadt ist es auch – trotzdem wird es wohl auf die Stadt hinaus laufen. Dazu kommen noch die Kosten für die Brandbekämpfung, Bergung, Pumpen und so weiter In Summe noch einmal weit über eine Millionen Euro.
Nun hat der Bund noch einmal 47 Millionen Euro für einen Nachbau der Seute-Deern in Aussicht gestellt. Ein Nachbau eines von Anfang an maroden Schiffes, das man am Ende wieder zum vergammeln ins Wasser stellt.
In diesem Sinne, Nein, Bremerhaven braucht keine Seute-Deern, erst recht keinen Nachbau.


7 Kommentare zu „Mein Senf: Braucht Bremerhaven eine neue Seute-Deern?

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  1. Das kann ich nur unterstreichen. Bremerhaven hat, weiß Gott, andere Probleme.

    Ich bin in dem Sinne Exilbremerhavenerin, dass wir, meine Familie, nach Flucht und Vertreibung dort eine neue Heimat gefunden hatten, aber … seit 1965, seit dem Tod meines Vaters, lebe ich dort nicht mehr, aber … just haben wir unsere Mutter (101 jährig) auf dem Friedhof Spadener Höhe in Bremerhaven beigesetzt und … es fühlte sich immer noch wie „Zuhause“ an.
    Na denn. 🙂

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  2. Klingt schlüssig, Dein Senf.

    Ich habe mir über Museumsschiffe noch nie in dieser Beziehung Gedanken gemacht. Aber es ist schon ganz interessant. Die RICKMER RICKMERS in Hamburg z.B. erhält keine Zuschüsse von der Stadt – oder dem Bund. Die PEKING wird hingegen gerade mit Bundesmitteln und Landesmitteln restauriert.

    Unterm Strich würde ich sagen, man kann mit Geld schlechtere Dinge tun, als Schiffe in Schuss zu halten. Hamburg hat die höchste Bonität, die man weltweit als Stadt haben kann. Da kriegt man das Geld derzeit hintergeschmissen. Also, das man schon nutzen, um so viel wie möglich fit zu machen – für schlechtere Zeiten. Aber wenn das Geld überhaupt nicht da ist, wie in Eurem Fall, ist es wohl etwas anderes…

    Echt interessanter Senf.
    Liebe Grüße
    Stefanie

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    1. Das Geld für einen Neubau soll vom Bund kommen, wobei das ja irgendwo auch unser aller Geld ist. Das Schiff gehört eigentlich dem Museum, was staatlich ist, dem fehlen allerdings die Mittel… Mir zeigt das nur, dass eigentlich viel zu viel Geld da ist wenn man es eigentlich „unnötige“ Dinge stecken kann. Die Mittel für die Instandhaltung fehlen dann am Ende…
      Achja, Bremerhaven ist seit diesem Jahr komplett Schuldenfrei 😊. Das Land hat die Verbindlichleiten übernommen.

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  3. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat ds Geld bewilligt – sont bekämen es andere Museen. Ich vermisse den Segler bei jedem besuch in Bhv. So wie gerade heute erst. Kenne den Museumshafen nicht ohne Seute Deern. Grüsslies

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    1. Das ist mir bekannt und das ist auch mein Problem. Wenn das Schifffahrtsmuseum seine Schiffe erhalten soll muss man von vornherein dafür sorgen das dies überhaupt möglich ist. Auf dem Geld für Bergung & Co bleibt nämlich sicher Bremerhaven sitzen. Die Seute Deern hat damals kaum mehr als 60.000 DM gekostet, dass man jetzt das mehr als 500-Fache dieses Betrages für einen Neubau eines von Beginn an maroden Schiffes ausgeben möchte ist einfach nur Geldverschwendung.
      Andererseits stimme ich dir zu, dass dort ein Schiff stehen muss, ob das nun die Seute Deern sein muss sei dahingestellt. Meinetwegen darf es auch eine Betonschale am Hafengrund sein sein, die von außen und innen aussieht wie ein Schiff ;-).

      Gefällt 1 Person

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