Ist die Insel Neuwerk bald nicht mehr erreichbar?

Ein einzigartiges Stück Nordseeküste ist in Gefahr – oder doch nicht?  Er ist derzeit in aller Munde, der Wattenweg zur Insel Neuwerk. In der örtlichen Presse schwirren Artikel herum wie „Neuwerk ist mit dem Wattwagen kaum noch zu erreichen“ oder „Neuwerk bald kaum noch zu erreichen“. Dazu Geistern Sätze wie „bald nur noch mit dem Schiff erreichbar“ durch die sozialen Medien. Ein Sommerlochthema oder steckt da wirklich mehr dahinter?

Das Duhner Loch

Konkret geht es um einen Priel, das Du Loch. Dieser Gezeitenstrom ent- und bewässert den größten Teil des Wattbereiches nordöstlich einer gedachten Linie zwischen Neuwerk und Duhnen. In den letzten Jahren hat sich die Prielwurzel, sozusagen seine „Quelle“ bzw. sein landseitiges Ende ein wenig in Richtung der Wattwasserscheide zwischen Außenweser und -elbe verschoben. Dabei ist eine Verbindung zu einem Seitenarm des Sahlenburger Lochs, einem nach Westen ausgerichteten Priel entstanden, die nur noch bei Niedrigwasser halbwegs trocken fällt. Ein Problem, denn von dieser Stelle aus sind es noch fast 6 Kilometer bis zur Insel Neuwerk, bei auflaufendem Wasser nicht ungefährlich.

#Wattenweg Neuwerk Duhner Loch
Das Wattenmeer zwischen der Nordseeküste bei Cuxhaven (im Südwesten) und der Insel Neuwerk (im Nordwesten) auf einer Aufnahme des Erdbeobachtungssatelliten Sentinel2. Weiß der Wattenweg von Sahlenburg nach Neuwerk, rot markiert, die Probllemstelle, der betroffene Bereich am Duhner Loch.

Aufgebauschtes Sommerlochthema oder echtes Problem?

Fakt ist, die Priele im Watt vor Cuxhaven verändern sich. Das Wattenmeer ist ein dynamischer Naturraum, Nationalpark und Weltnaturerbe der Unesco. Das Wattenmeer darf, soll und wird sich verändern. Der Wattenweg nach Neuwerk ist nicht gottgegeben.  Die Route veränderlich. Ein wasserführender Priel mit einer Tiefe von fast einem Meter ist noch lange kein unüberwindbares Hindernis. Bis zum Oberschenkel reichendes Wasser defintiv nicht. Das Amrumtief, das ein Priel auf dem Wattenweg zwischen den Nordfriesischen Inseln Föhr und Amrum ist beispielsweise ähnlich Tief oder sogar tiefer als das Duhner Loch derzeit.
Das Problem sind vor allem die Wattwagen. Diese müssen den Weg vom Festland zur Insel und zurück, oder umgekehrt, innerhalb einer Tide zurücklegen. Hinzukommt eine Stunde Aufenthalt. Die Kutschen können daher nicht lange auf tiefe Wasserstände oder gar das Niedrigwasser warten, müssen sich deshalb auch bei höheren Wasserständen auf den Weg machen. Neuwerk ist also nicht, wie beschrieben, kaum mehr erreichbar. Lediglich die Wattwagen haben ab und an Probleme. Inwiefern dies für die Versorgung der Insel von Bedeutung ist, kann ich nicht beurteilen. Das sich dieses Problem in Zukunft verschärft ist aber durchaus möglich, ebenso das Gegenteil.
In jedem Fall werde ich mir diese Problemstelle am Wochenende mal aus der Nähe anschauen.

Veränderung des Wattenmeers in den letzten vier Jahren

Im folgenden möchte ich die Veränderungen des Wattenmeers zwischen Cuxhaven und Neuwerk anhand von vier Satellitenbilder aufzeigen. Die Bilder von 2016-2018 stammen vom Erdbeobachtungsatelliten Sentinel 2, das Bild von 2015 von Landsat 6. Die Aufnahmen sind gemeinfrei.

Auf den ersten Blick hat sich das Watt nicht wesentlich verändert. Wir betrachten nun aber die oben angesprochene, im Bild markierte Problemstelle. Hier ist durchaus erkennbar, dass sich der in der von der Bildmitte nach Norden fließende Priel, das Duhner Loch, an seiner Wurzel dem von der Mitte nach Westen verlaufenden Priel, dem nördlichen Sahlenburger Loch, angenähert hat. Eine Verbindung beider Wasserläufe ist zwar zu erahnen, ein Durchbruch aber eben noch nicht.
Es gilt aber zu beachten, die Aufnahmen stammen von einem Zeitpunkt nahe dem Niedrigwasser. Die betroffene Stelle wird aber zwei Stunden vorher von Wattwanderern in Richtung Neuwerk gequert. Inwiefern die Veränderung der Priele am Wattenweg natürlichen Ursprungs ist oder auf menschliches Zutun zurückgeht, möchte ich an anderer Stelle näher beleuchten.

siehe auch:



20170814WN10 Zu Fuß nach Neuwerk

14. August 2017, Es ist vielleicht das Highlight der Region. Deutschlandweit, ja vielleicht weltweit gibt es nur wenig vergleichbares: Das Erwandern einer Insel über den trockengefallenen Meeresboden bei Niedrigwasser. Zu Fuß nach Neuwerk durch das Unesco Weltnaturerbe Wattenmeer in der Nordsee. weiterlesen


 

13 Kommentare zu „Ist die Insel Neuwerk bald nicht mehr erreichbar?

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    1. Wieso graut dir vor der Zukunft? Auf der einen Seite kann ich das nachvollziehen, wir gehen gelinde gesagt wenig zimperlich mit Natur und Umwelt um. Auf der anderen Seite wurden in den letzten 30 Jahren riesige Fortschritte beim Umweltschutz erzielt – schau dir nur deine Fotos an. Hättest du die vor 30 Jahre so machen können? Bei uns hier oben ist quasi die gesamte Küste zum Nationalpark erklärt worden – mit allen positiven und negativen Nebenwirkungen. Was die Veränderungen in Natur und Umwelt angeht. Natürlich geht das auch auf ganz natürlichem Weg. Da besteht letztlich auch die Frage inwiefern man das zulassen möchte.

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      1. Es ist der Umgang mit der Natur im allgemeinen, den ich meine. Plastikmüll im Meer. Bienen- und Insektensterben. Gift wohin man schaut. Dazu die Luftverpestung. Der Einfluß des „Kapitals“ und die lasche Reaktionen der Behörden. Mir graut nicht wegen meiner Person. Mir graut, wenn ich an unsere Nachkommen denke.

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      2. Alles richtig und sicher auf wichtige Punkte. Gerade der Plastikmüll und das Insektensterben, auch die derzeitige Landwirtschaft und vor allem der Flächenfraß haben sicher noch viel weitreichendere Folgen als bisher angenommen. Dazu noch der Klimawandel der gerade die künftigen Generationen an der Küste hart treffen wird. Abgesehen von diesen „neuen“ Problemen ist aber auch viel erreicht worden. Luft und Wasser sind wesentlich sauberer als noch vor 30 Jahren. Das Ozonloch wird erfolgreich bekämpft. Was wir aber wieder brauchen ist ein allgemeines Bewusstsein für Natur und Umwelt wie es in meiner Kindheit geherscht hat. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Der Natur nützt es wenig wenn Plastiktüten verboten werden (auch wenn das grundsätzlich zu begrüßen ist), ein offenbar steigender Anteil der Bevölkerung aber nicht in der Lage ist seinen Müll in die Tonne zu werfen.

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  1. Die Natur ändert sich ständig, und das ist gut so. Wenn der Weg nicht mehr geht, gibt es wahrscheinlich einen anderen. Die Nordlichter sind da sehr erfinderisch. 😊
    Lieben Gruß, Ewald

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    1. Richtig. Der Weg wird weiter existieren, ob die Natur sich ändert oder nicht. Der Wattenweg ist touristisch zu wichtig – notfalls wird, wie bereits am Sahlenburger Loch geschehen, vom Menschen in die Natur eingegriffen.

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      1. Das denke ich auch, wenn ich es recht erinnere war der Wattweg bei meinem letzten Besuch vor einigen Jahren schon an einer Stelle mit Steinen aufgefüllt.
        Lieben Gruß, Ewald

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  2. Leider nicht :-(. Um ehrlich zu sein habe ich die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben. Luft und Wasser sind vergleichsweise schnell wieder sauber. Auch Insekten würden sich bei einer nachhaltigeren Landwirtschaft wieder vermehren. Platikmüll, Klimawandel und Flächenfraß sind dagegen langwierige Prozesse, deren Folgen unsere Nachfahren noch lange beschäftigen werden. Kurzfristige Lösungen bringen da leider keinen unmittelbaren Erfolg und genau das ist das Probem.

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