Die Folgen des Leitdamms für den Wattenweg?

Der Folgende Beitrag ist eine Antwort auf den Beitrag: „Folgen des Leitdamms:  Neuwerk droht seine Landverbindung zu verlieren“ der Bürgerinitiative „Rettet das Cux-Watt“. Zitate aus diesem Beitrag sind in blauer Farbe hervorgehoben.

Meine Meinung zur Bürgerinitiative „Rettet das Cux-Watt“

Erstmal vorweg, dies ist keine allgemeine Kritik an der Bürgerinitiative „Rettet das Cux-Watt“. Die Verlandung des Kugelbakefahrwassers, die Verschlickung und Aufhöhung des Wattbodens vor Döse und Duhnen sind dem mit Sicherheit auf menschliches Zutun zurückzuführen. Darauf will die Bürgerininative aufmerksam machen und die negativen Folgen des Leitdamms mindestes minimieren, möglichst sogar Rückgängig machen. Richtig und wichtig! Aber – der Leitdamm ist nicht an allem Schuld. Das Wattenmeer bleibt trotz aller Eingriffe ein Naturraum mit auch vom Menschen unabhängiger Dynamik. Man sollte nicht den Fehler machen, populistisch, öffentlichwirksame Themen – wie etwa den Wattenweg, ohne stichhaltige Beweise, miteinander in Verbindung zu bringen. Auch das Thema Klimawandel ist, obwohl wissenschaftlich bewiesen und an sich wesentlich wichtiger. Politisch ist diese unwiderlegbare Tatsache aber immer noch umstritten – auch weil vermeintlich „normale“ Wetterereignisse immer wieder mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht wurden.

Der Leitdamm

Hier ist immer wieder die Rede vom Leitdamm. Was ist das überhaupt? Der Leitdamm ist ein Damm zur Sicherung des Elbfahrwassers. Er führt in einem Bogen von der Kugelbake über 10km bis zum Mittelgrund, einer Sandbank in der Elbmündung. Der Damm durchschneidet die Rinne des Kugekbake- bzw. Neuwerker Fahrwasser. Dazu verändert er die Strämungsverhältnisse, erhält das vertiefte Fahrwasser und verhindert die Wanderung von Sandbänken in Richtung des Fahrwassers.

2017-08-13_Duhnen_Leitdamm
Blick von der Elbfahrrinne auf Duhnen und den Strand. Im Vordergrund das Fahrwasser, mittig der Leitdamm dahinter das Duhner Watt.

Veränderungen im Watt vor Duhnen und Döse

Der Wattaufwuchs vor Duhnen und Döse lässt sich recht leicht erklären. Die durch den Leitdamm verminderte Strömung führt zu vermehrter Sedimentation. Dieses Prinzip der Verlandung nutzt man an der Nordseeküste seit Jahrhunderten, mittels Lahnungen, zur Landgewinnung. Es tritt aber auch in verminderten Ausmaß auf natürlichem Wege auf.  Der Wattaufwuchs vor Cuxhaven wird durch die Fahrrinnenerhaltung und –vertiefung, die damit verbundene Verklappung von Schlick noch verstärkt. Mehr Sediment im Wasser bedeutet letztlich auch mehr Wattaufwuchs! Das Feinsediment lagert sich dabei vor allem in den Strömungsarmen, ufernahen Bereichen ab. So entstehen die unansehnlichen Schlickfelder vor Duhnen und Döse.

#Watt vor Duhen
Das Watten vor dem Duhner Strand im Oktober 2014. Noch ohne Schlickfelder, dafür mit Wattwürmern.

 „Wir sind davon überzeugt, dass die Vertiefung der Priele vor Sahlenburg mit dem Wattaufwuchs in Duhnen und Döse zusammen hängt. Ursache ist zunächst die Schließung der Lücke des Leitdamms bei der Kugelbake.[…] Gleichzeitig verschwanden nach und nach die Priele in Leitdammnähe bis hinter Rettungsbake 1. Aufgrund der Verlandung dieser Priele sowie der Aufhöhung des Watts hat sich ein Teil der Entwässerung des Döser und Duhner Watts immer mehr nach Westen verlagert. Diese erfolgt dort in Küstennähe über das Sahlenburger Loch / Altoxstedter Tief und inzwischen auch immer mehr über das Duhner Loch.

Auch meiner Meinung nach besteht hier ein Zusammenhang.  Durch die Aufhöhung des Watts vor Döse und Duhnen hat sich die Wattwasserscheide verändert. Insbesondere der Ufernahe Abschnitt nördlich von Duhnen entwässert inzwischen überwiegend über den Priel „Sahlenburger Loch“ nach Westen.
Anders verhält es sich mit dem Duhner Loch. Ein Großteil des Bereiches vor Duhnen und Döse entwässerte bis vor wenigen Jahren noch in Richtung dieses Priels. Das Einzugsgebiet des Duhner Lochs hat sich also verkleinert, dementsprechend auch die Wassermenge – zusätzlich auch durch die Aufhöhung des Watts.

#Priel im Cuxwatt
Kleiner Priel im Watt vor Sahlenburg.

 „Somit nimmt nicht nur die Strömungsmasse, sondern auch die Strömungsgeschwindigkeit bei auf- und ablaufender Tide zu. Folge ist, dass sich beide Priele immer mehr vertiefen.“

Wie oben bereits geschrieben halte ich das, bei Duhner Loch für fraglich. Da sich die Strömungsmasse verringert hat kann auch die Strömungsgeschwindigkeit nicht zugenommen haben. Auch weil die Wassermassen durch die Verlandung des Neuwerker Fahrwassers einen längeren Weg bis zur Elbe zurücklegen müssen. Ein Längerer Fließweg bei gleichbleibendem Höhenunterschied hat aber eher eine verlangsamte Strömung zur Folge.

Zweifellos aber hat sich das Duhner Loch/Bakenloch in den letzten Jahrezehnten stark verändert. Inwiefern hier aber menschliche Baumaßnamen und/oder natürliche Dynamiken die Ursache sind, halte ich durch den Beitrag der Bürgerinitiative nicht für ausreichend geklärt. Auch die von mir oben beschriebenen Zusammenhänge stellen lediglich meine derzeitige Sicht der Sachlage, ohne Anspruch auf Richtigkeit, dar.

Letztlich sind sowohl die Verschlickung als auch die Vertiefung von Prielen kein Problem für die Natur – wohl aber für den Tourismus.

siehe auch:



20170814WN10 Zu Fuß nach Neuwerk

14. August 2017, Es ist vielleicht das Highlight der Region. Deutschlandweit, ja vielleicht weltweit gibt es nur wenig vergleichbares: Das Erwandern einer Insel über den trockengefallenen Meeresboden bei Niedrigwasser. Zu Fuß nach Neuwerk durch das Unesco Weltnaturerbe Wattenmeer in der Nordsee. weiterlesen


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