Marine: Nur Verlierer beim Gorch Fock Desaster in Bremerhaven

Das Debakel um die Gorch Fock, den einst stolzen Großsegler der deutschen Marine stellt nicht nur der deutschen Bundeswehr, vor allem ihrer Führung ein vernichtendes Urteil aus. Sie ist auch ein Beispiel des Versagens öffentlicher Organe, einer fehlgeleiteten Politik, unglaublicher Steuerverschwendung und nicht zuletzt auch der grenzenlosen Gier des Menschen. Darüber hinaus bringt der Skandal, der ohnehin gebeutelten Seestadt Bremerhaven, unverschuldet, schlechtes Presse ein. Gefährdet darüber hinaus sogar Arbeitsplätze in einem ansonsten gut funktionierenden Werftbetrieb.
Derzeit liegt der Rumpf der Gorch Fock an der Labradorkaje im Bremerhavener Fischereihafen.

Luneorthafen Bremerhaven Bredo-Werft
Der Fischereihafen im Süden der Seestadt. In der Bildmitte, zwischen den Hafenbecken des Luneort- und des Labradorhafens befindet sich die Bredo-Werft. Hier liegt, seit Dezember 2015, die Gorch-Fock im Schwimmdock.

Kostenexplosion bei der Gorch-Fock

Seit Dezember 2015 liegt die Gorch-Fock zur Grundinstandsetzung im Schwimmdock der Bredo-Werft in Bremerhaven. Die Werft selbst fungiert allerdings lediglich als Subunternehmen, verantwortlich ist die Elsflether Werft. Die Instandsetzung sollte ursprünglich 10 Millionen Euro Kosten. Das war 2015, inzwischen sind drei lange Jahre und sechs Monate vergangen.

Korrution, Bereicherung und Insolvenz

Wie so häufig bei öffentlichen Projekten sind die Baukosten explodiert, das Schiff zum Politikum geworden. Bis zum Frühjahr 2019 betrugen die Kosten bereits fast 70 Millionen Euro.
Teile der Gelder versickerten in dubiosen Nebengeschäften der Werftleitung, eventuell auch in den eigenen Taschen. Gegen die Vorstände laufen Gerichtsverfahren, auch gegen Mitarbeiter der Marine besteht Korruptionsverdacht. Die Elsflether Werft musste inzwischen Insolvenz anmelden.
Die für die Sanierung von der Bundeswehr aufgewendeten Mittel wurden nicht an das Subunternehmen, die Bredowerft , weitergeleitet. Der Werft fehlen 10,6 Millionen Euro. Kurzfristig stand auch diese vor der Zahlungsunfähigkeit. 500 Arbeitsplätze waren in Gefahr. Die Bredowerft hielt den Rumpf der Gorch Fock zwischenzeitlich sogar als Pfand zurück bis man sich, zumindest vorläufig, außergerichtlich mit der Bundeswehr einigen konnte. Damit stand dem Ausdocken der Gorch Fock – zumindest ihrem Rumpf erst einmal nichts mehr im Wege. Mitte Juni wurde zumindest das Gerüst um das Schiff abgebaut.

Die Bundeswehr hat weitere Mittel, fast 50 Millionen Euro, für die Instandsetzung der Gorch Fock bewilligt. Die Reperatur wird also, weitere Kostensteigerungen außen vor, bis zu 128 Millionen Euro kosten – zuzüglich 7 Millionen für die Ausrüstung.
135 Millionen Euro für ein 100m langes Segelschulschiff aus Stahl, ohne wirkliche Tradition, Baujahr 1958. Was für ein Wahnsinn.

Gorch Fock Bremerhaven Fischereihafen
Der sprichtwörtliche Rumpf der Gorch Fock an der Labradorkaje. Ohne Masten und Tagelage, ohne weißen Rumpf? Das soll 70 Millionen Euro gekostet haben?

Sie schwimmt wieder

Am 21. Juni wurde das Schwimmdock geflutet, anschließend der sanierte Rumpf in den Hafen geschleppt und an der Labradortkaje festgemacht. Dort wurde die Gorch Fock, oder zumindest die Reste davon, mit großem Pomp von zahlreichen Marine- und Pressevertretern inspiziert – darunter auch die Verteidigungsministerin (was das wohl gekostet hat?).

Wie geht es weiter?

Das die Gorch Fock eines Tages wieder zur See fährt ist keinesfalls sicher – so heisst es. Dennoch scheint die weitere Instandsetzung ausgemachte Sache zu sein. Im Herbst 2020 soll das Segelschulschiff wieder in See stechen – vielleicht ja schon zur Sail 2020 in Bremerhaven?
Dazu muss die Gorch Fock auf jeden Fall wieder in ein Dock. Welche Werft die Arbeiten ausführen wird, ist noch unklar. Die Elsflether Werft wird es nicht sein.


siehe auch:

5 Kommentare zu „Marine: Nur Verlierer beim Gorch Fock Desaster in Bremerhaven

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  1. Was für ein Desaster um ein einst so stolzes Segelschiff. Erst gestern Abend in der Tagesschau, äußerte sich die Bundesverteidigungsministerin Frau von der Leyen zum Thema Gorch Fock. Für den Steuerzahler wird das Schiff zu einem einzigen Steuergrab. Ob die dort genannten Kosten letztendlich ausreichen werden, um das Schiff wieder seetüchtig zu machen, bleibt sehr zweifelhaft.

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  2. Das alles ist schon sehr erstaunlich!
    Ich habe durch deinen Blog erfahren, dass sie in Bremerhaven zur Sanierung liegt und seit dem das Ganze ein bisschen mitverfolgt. Vor allem, nach dem ich die Gorch Fock ja 1984 in Québec gesehen und auch besichtigt hatte.
    Damals war sie schon ein sehr eindrucksvolles Segelschiff. Ob das aber die so in die Höhe geschossenen Kosten rechtfertigt, das weiss ich nicht!
    Wenn man liest was da alles vorgekommen ist, dann kann man als Steuerzahler nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen…. und seit Neuestem sind mein Mann und ich wieder deutsche Steuerzahler, denn das deutsche Finanzamt besteuert unsere Renten!

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  3. Es ist Schade, ein solch stolzes Schiff so „leiden“ zu sehen. Es wäre mit Sicherheit besser gewesen ein neues Schiff zu bauen, selbst die Passat aufzurüsten wäre billiger gekommen und das wäre ein echter Traditionssegler und ist sogar einsatzbereit, wenn ich nicht irre. Dort sind erst vor kurzem umfangreiche Sanierungsarbeiten zu Ende gegangen.
    Lieben Gruß, Ewald

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  4. Als ich Mitte der siebziger Jahre und auch danach, als Jugendliche die Gorch Fock an der Tirpitzmole in Kiel sah und bestaunte, gab es für mich kein schöneres, stolzeres Segelschiff, als genau jenes.
    Dass das Schiff vierzig Jahre später eine solche Tragödie erleben muss, abgetakelt, im wahrsten Sinne des Wortes und mit Aussicht, nie wieder als Schulschiff zu fungieren: Unvorstellbar! Unglaublich!

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