Heulerzeit

Im Juni und Juli bringen die Seehunde alljährlich ihre Jungen zur Welt. Die sogenannten Heuler. Der Begriff ist den klagenden Lauten des Jungtiers entlehnt, die es ausstößt, wenn seine Mutter auf Jagd ist oder durch eine Störung von ihrem Nachwuchs geflüchtet ist. Fast 10.000 Jungtiere kommen jedes Jahr im Wattenmeer zur Welt. Gute 25% von ihnen verenden bereits im ersten Lebensjahr – was auch auf den Menschen zurückzuführen ist.

Der Seehund im Wattenmeer

Der Seehund ist mit einer Körperlänge von bis zu 180cm und einem Gewicht von mehr als 100 Kilogramm, nach der Kegelrobbe, das zweitgrößte Raubtier Deutschlands. Abgesehen von einigen dokumentierten Angriffen durch Kegelrobben, haben Sie keine natürlichen Feinde, reagieren aber empfindlich auf Störungen durch den Menschen. Obwohl der Seehund in Deutschland immer noch eine gefährdete Art ist, leben im Wattenmeer der Nordsee (Niederlande, Deutschland und Dänemark) inzwischen wieder über 26.000 Seehunde (Zählung 2017), dazu kommen noch 5.500 der größeren Kegelrobben. Die Meeressäuger werden schon seit längerer Zeit nicht mehr bejagt, Epidemien wie die Seehundstaupe, dezimieren aber periodisch ihren Bestand. Zudem haben sie mit Wasserverschmutzung, Schadstoffen und der Schifffahrt zu kämpfen.

Heuler

Wenn die Seehunde in den frühen Sommermonaten ihre Jungtiere zur Welt bringen beginnt die Heulerzeit. Die Jungen sind sehr empfindlich und in der Anfangszeit sehr abhängig von ihrer Mutter. Einige von ihnen werden durch natürliche, aber auch menschliche Einflüsse von ihrer Mutter getrennt. Je häufiger die Tiere gestört werden, desto wahrscheinlicher leider sie an einer Unterernährung. Auch die Flucht selbst kann für die Tiere gefährlich sein. Auf der einen Seit fehlt ihnen in den Anfangstagen noch eine dicke Speckschicht, welche ihren Körper vor dem kühlen Meerwasser isoliert. Auf der anderen Seite können sie sich auf dem Rauen Sand ihren noch nicht verheilten Nabel aufreißen. Andere Heuler werden durch Gezeiten und Strömungen von ihren Muttertieren getrennt – teilweise aber mit der nächsten Flut wiederaufgefunden. Vor einigen Jahren schwammen sogar zwei Heuler im Bremerhavener Museumshafen und lagen dann später am Rand einer Bundesstraße.

Andere Jungtiere verenden oder werden von Menschen aufgelesen und in einer Aufzuchtstation aufgepäppelt. Oft ist dies aber gar nicht nötig, da das Muttertier zurückgekehrt wäre, überfürsorgliche, uninformierte Menschen dies aber verhindern. Auf die Aufzuchtstationen sind selbst unter Naturschützern nicht unumstritten. Einige Kadaver werden alljährlich in den Sommermonaten ans Ufer gespült, was aber ein völlig normaler Vorgang ist. An diesem Sonntag am Solthörn, wo wir oft spazieren gehen, waren es gleich zwei Tote Seehunde. Im vergangenen Winter fanden wir hier ebenfalls zwei Kadaver. Tote Seehunde sind also nichts ungewöhnliches und schon gar kein Grund zur Sorge.


siehe auch:


Übersichtsseite Wurster Nordseeküste


 

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