Von Burgen, Festungen und Kranichen: Wanderung durchs Dorumer Moor

Etwas außerhalb von Sievernin einer Mulde im Geestrücken, liegt das Dorumer Moor. Einst durch Torfabbau und Entwässerung weitgehend zerstört wurde es vor wenigen Jahren renaturiert. Es wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen, bis aus der einst zerstörten Natur, wieder ein „lebendiges“ Moor wird. Dennoch haben sich die Renaturierungsmaßnahmen bereits ausgewirkt. Heute brüten hier sogar wieder Kraniche! Weiterhin finden sich in unmittelbarer Nähe zum Moor einige, historisch bedeutsame Stätten: Pipinsburg, Heidenstadt und –schanze sowie unzählige Hügelgräber. Eine solche Dichte an historischen Denkmälern findet sich in Deutschland kein zweites Mal. Heidenstadt und Heidenschanze sind in Norddeutschland einmalig. Ein guter Ort also für eine vielseitige Wanderung. Vor allem an einem wunderbaren Frühlingstag.

Wanderweg Dorumer Moor Sievern
Teile des Wanderwegs führen über Dämme direkt durch das Dorumer Moor.

Rundwanderweg durch das Dorumer Moor

Teile des Moorgebietes und der angrezenden Geestlandschaft sind durch einen etwa 8,5 Kilometer langen Wanderweg zugänglich gemacht worden. Der Rundwanderung beginnt und endet am Parkplatz an der Pipinsburg. Dabei führt er durch Felder, Wiesen und Wälder, vorbei an den historischen Stätten und durch das Herz des Dorumer Moors.
Gleich südlich, in einer Niederung verläuft der Sieverner Bach. Dieser war einst, durch den Einfluss der Gezeiten, wesentlich breiter und mit kleinen Booten befahrbar, was für die Lage der Archäologischen Stätten von Bedeutung ist.

 

Start an der Pipinsburg

Gleich am Start des Rundweges befindet sich die Pipinsburg. Sie liegt auf einem Sporn des Geestrückens, oberhalb der Niederung des Baches. Die Anlage hat einen Durchmesser von 60m und ist von einem 6-8m hohen Ringwall umgeben. Im Nordosten ist eine Vorburg vorgelagert. Die Burg entstand wohl um das Jahr 1000 und diente der Verteidigung gegen die Wikinger. Keine 100 Jahre nach ihrer Errichtung wurde sie durch die Wurstfriesen zerstört.

Heidelandschaft Pipinsburg Sievern
Im Nordosten ist der eigentlichen Pipinsburg eine große Vorburg vorgelagert die heute mit einer Heidelandschaft bestanden ist.

Großer, Grauer Vogel

Anschließend führt der Wanderweg einen knappen Kilometer, durch Heidelandschaften und lichte Wälder, vorbei an bronzezeitlichen Hügelgräbern, zur Heidenschanze. Unterwegs mache ich einen großen Vogel in der Nähe des Bachs aus. Aus der Distanz gehe ich zunächst von einem Reiher aus, erst in der Vergrößerung erkenne ich, dass es sich um einen Kranich handelt.

Kranich Sieverner Bach Dorumer Moor
Ein Kranich sucht in der Niederung des Sieverner Bachs nach Nahrung.

Bisher habe ich die grauen Vögel nur zur Zeit des Vogelzugs gesehen, dass einige auch hier brüten war mir unbekannt – bis heute. Es sollte nicht der letzte Kranich bleiben den ich an diesem Frühlingstag zu Gesicht bekam. Auch ihr geschnattere war unüberhörbar.

Weiter zur Heidenschanze

Schließlich erreiche ich die Heidenschanze – bzw. den Wald der sie überwuchert hat. Die mehr als 2000 Jahre alten Ringwälle und Gräben sind noch gut im Gelände sichtbar, auch wenn die einstigen Palisadenbefefestigungen wohl schon vor über Tausend Jahren verrotet sind. Das alter der Anlage ist in jedem Fall beeindruckend – auch wenn bis auf ein paar Hügel im Gelände nur wenig die Jahrhunderte überdauert hat.

 

Die Heidenschanze wurde von etwa 50- bis etwa 100 nach Christusm wohl vor allem als Handelsplatz genutzt. Damals kreuzte hier eine bedeutende Handelsstraße den Sieverner Bach über welchen Waren über Weser und Nordsee weiter verschifft werden konnten. Auch den Römern war dieser Handelsplatz bekannt, sie nannten ihn Fabirarum.

Im Dorumer Moor

 

Hinter der Heidenschanze tangiert der Weg das Dorumer Moor, führt anschließend mitten hindurch. Einst haben hier die Bewohner von Dorum Torf als Brennmaterial abgebaut, daher die Bezeichnung obwohl das Dorf selbst recht weit entfernt liegt. Außerdem wurden Teile des Moors entwässert um es landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Dies gelang zwar, in der industrialisierten Landwirtschaft werden diese Flächen aber nicht mehr benötigt. Daher wird das einstige Hochmoor seit 2015 renaturiert und wiedervernässt, auch als CO2-Senke. Etwas mehr als 2km² stehen heute unter Naturschutz.

 

Ein erster großer Erfolg sind die brütenden Kraniche. Daneben hat sich bereits teilweise eine typische Moorvegetation entwickelt. Um die mit schwarzem Moorwasser gefüllten Tümpel breiten sich Schwingrasen und Torfmoose aus. Abgestorbene Moorbirken zeugen von der ansteigenden Feuchtigkeit, der Rückkehr des Moores.

Noch mehr Kraniche…

 

Eiszeitliche Geest

Nach einer Schleife durch einige Felder, vorbei am Heidehof beginnt der Rückweg, der wiederum durch das Moor führt. Anschließend geht es zurück auf die sandige Geest. Einige Findlinge zeugen hier von ihrem eiszeitlichen Ursprung. Der Größte von ihnen ist der Jahrtausendstein, der von den eiszeitlichen Gletschern aus Skandinavien hiertransporttiert wurde. Ein Großteil der Findlinge aus der Geest wird jedoch für die Befestigung der Wurster Küste genutzt.

 

Heidenstadt

Schließlich passiert der Wanderweg die Heidenstadt. Einer Wallanlage, ähnlich der Heidenschanze, wenn auch von kleinerem Ausmaßen. Aufgrund des offenen Geländes , auch dieser Bereich wird zu einer Heidelandschaft „renaturiert“, ist der Ringwall hier aber deutlicher als solcher auszumachen. Die Heidenstadt ist aber bei weitem nicht so komplex aufgebaut wie die benachbarte Heidenschanze.

 

Steinzeitliche Grabstätte Bülzenbett

Kurz vor dem Start und Ziel der Wanderung wartet noch die steinzeitliche Megalithanlage Bülzenbett. Das letzte historische Stätte auf der Wanderung. Ein über 5000 Jahre altes, gut erhaltenes Ganggrab aus der Jungsteinzeit. Obwohl wesentlich älter als die dutzenden Hügelgräber in der Umgebung, ist das Bülzenbett deutlich besser erhalten.

 

Eine eindrucksvolle Wanderung durch eine abwechslungsreiche Landschaft, eine wunderbare Natur und zu geschichtsträchtigen, archäologischen Stätten. Sehr zu empfehlen!


Verweise:


Siehe auch

6 Kommentare zu „Von Burgen, Festungen und Kranichen: Wanderung durchs Dorumer Moor

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  1. Super! Hört sich sehr interessant an. Die Rundwanderung von rund 8 km ist ja auch gut zu machen. Die Tour habe ich mir gleich mal runtergeladen. Die Projekte, die von „Natur Erleben“ – eine Richtlinie aus der EU-Förderung der letzten Förderperiode – bezuschusst wurden, sind meist sehr lohnenswerte Ziele.
    So Kraniche ganz nah zu sehen, ist beeindruckend, oder!?

    Gefällt 1 Person

    1. Ich hab mir, nach deinem Tipp, noch ein paar andere dieser Projekte angesehen und vorgemerkt :-). Ja, die Kraniche sind beeindruckend, wobei wirklich nah dran war ich nicht. Die Vögel waren schon ein paar hundert Meter entfernt (abgesehen vom Kranich im Moor) – zum Glück, sonst hätten sie sich wohl davon gemacht.

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