Garnicht so ewiges Eis: Pasterze

Die Gletscherstraße, eine Stichstraße der Grossglockner-Hochalpenstraße, endet an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2.369m Höhe. Hier stand im Jahre 1856, der junge Österreichische Kaiser und blickte auf das vermeintlich ewige Eis. Heute wie damals ist die Pasterze der größte und längste Gletscher Österreichs sowie der Ostalpen. Die Dimensionen sind allerdings andere.

Dort wo sich 1856 der Eisrand befand, ist heute nur noch nackter Fels und Geröll. Der Gletscher hat sich deutlich verkürzt und ist in noch größerem Ausmaß eingesunken. An der Stelle, an der Kaiser Franz-Josef noch unmittelbar am Eisrand gestanden hatte, klafft heute ein jäher Abgrund, 300m tief. Der Weg zum Eisrand ist zu einem kleinen Abenteuer geworden – erst recht wenn der Weg, wie heute, schneebedeckt ist.

Abstieg zum Talboden

Von der Franz-Josefs-Höhe führt ein steiler Pfad, in Serpetinen, zum Talboden. Dieser Weg lässt sich mit der Gletscherbahn etwas verkürzen. Die Standseilbahn wurde 1963 erbaut und sollte den Gletscher leichter zugänglich machen. Damals endete sie direkt am Eisrand in 2.212m Höhe. Von 1856-1963 ist die Eisoberfläche, an dieser Stelle, also um über 150m eingesunken. Heute liegt die Talstation mitten am Hang. Der Gletscher ist seit dem Bau der Seilbahn weiter zurückgeschmolzen, die Abschmelzgeschwindigkeit hat sich sogar noch beschleunigt. Noch einmal knappe 150 Höhenmeter gilt es von hier aus, bis zum Talboden, abzusteigen. Unterwegs weisen immer wieder Schilder mit Jahreszahlen auf die damalige Lage des Eisrandes hin.

Schließlich ist der Talboden erreicht. Im Zuge der andauernden Klimaerwärmung wird die Pasterze nicht nur dünner – sie verkürzt sich auch. Am Ende des ausgebauten Gletscherweges liegt findet sich heute kein Eis mehr. Stattdessen befindet man sich am Ufer eines Sees auf dem Eisberge schwimmen.

Über Geröll und Toteis zum Eisrand

Über Schutt und Geröll, immer am Ufer des Sees entlang, geht es weiter in Richtung Eisrand. Der Weg ist hier nur mehr provisorisch, es geht auf und ab. Das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr – das Gelände ist hier noch in Bewegung. Vom Hang aus rutschen immer wieder Schuttmassen ins Tal, früher hat das Eis den Hang stabilisiert – jetzt nicht mehr. Hier und da finden sich noch Eisreste, dick verpackt unter Geröll – Toteis. Die Landschaft ist noch jung, kaum ein Halm wächst hier. Jahrhundertelang lag hier Eis – jetzt kehrt das Leben langsam zurück.

Hinter dem Gletschersee biegt der Weg ab. Von hier an führt der Weg flach über den Talgrund. Hier liegt noch viel Eis im Untergrund, teils sichtbar, teils versteckt – doch überall erkennbar. Risse im Boden, wassergefüllte Toteislöcher. Eine Landschaft im Wandel. Traurig aber spannend.

Schließlich rückt der Eisrand näher, zumindest der schuttbedeckte Teil der Gletscherzunge. Der aktive Eisrand ist dank diverser Gletscherbäche kaum zugänglich. Immer größer wird der große Einsturztrichter mit scharfer Eiskante. Hier zeigt sich das blaue Gletschereis, darunter türkisschimmernd, eine Lagune mit kleinen Eisbergen. Die Lagune hat scharfen, steile Ufer. Offensichtlich stehen auch wir noch auf schuttbedecktem Toteis – nicht ganz ungefährlich, auch hier ist noch Bewegung im Boden, stetige Veränderung. Am Ufer liegen große Eisblöcke. Wohlmöglich hat eine Flutwelle, erzeugt von abbrechenden Eis, diese hier abgelagert.

Schließlich treten wir den Rückweg an. Die Pasterze wird nie wieder so aussehen wie heute. Nie wieder (in menschlichen Maßstäben) so groß sein und irgendwann verschwinden. Das „ewige Eis“ sollte besucht werden solange es noch da ist.

Reiseübersicht:


2017-09-11-13 3-Länder, 3-Jahreszeiten Alpentour

Als Sommer-Wander-Seentour geplant entwickelte sich die Reise, je näher der Termin rückte, mehr und mehr zur…

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