Im Angesicht der Klima-Apokalypse: Sommerbesuch am Kaunertaler Gletscher

Warme Sommer? Hitzewellen? – Alles schonmal dagewesen, so scheint es in manchen Kreisen. Nicht nur das, eigentlich waren die Sommer früher besser und beständiger. Die aktuellen Jahrhundert-Dürren in Europa, Waldbrände mitten in Deutschland und vor allem die nackten Fakten bleiben dabei außen vor – „kann ja gar nicht sein“. Ein Gletscher kann seine Augen nicht vor den Tatsachen verschließen. Das Eis ist der wohl eindrücklichste Zeuge der menschengemachten Klimakatastrophe.

Jahrhunderte Altes Eis verschwindet

Über Jahrhunderte und Jahrtausende hat sich haben sich Schneeschichten übereinander gestapelt. Durch ihr eigenes Gewicht sowie Tau – und Gefriervorgänge zu Firn und schließlich zu Eis verdichtet. Der Schnee, der nach und nach diese Eisschichten bildet, schmilzt in den wärmer gewordenen Sommern inzwischen fast restlos ab. Im Sommer 2022 so früh wie nie zuvor. In den Alpen ist es ist vorbei mit den blendend weißen Bergen. In den Höhen finden sich nur mehr grau-braune, vor sich hinschmelzende, sterbende Eiskörper. Einer davon ist der Weißseeferner im hinteren Kaunertal.

Gletschertor am zerfallenden Eisrand des Weißseeferners/Kaunertaler Gletscher. Ein Blick in die Welt von Morgen.

Gletscherskigebiet gestern, heute, morgen

Der Weißseeferner wurde 1980 für den Skisport erschlossen, auch um das abgelegene Tal für den Tourismus zu erschließen. Seither befindet sich hier das Skigebiet Kaunertaler Gletscher. Die kühlen Sommer der 70er Jahre bildeten die Grundlage für den damaligen Sommerski-Boom und damit auch für den wohl vorerst letzten Gletschervorstoß in den Alpen, der um 1985 endete. Seitdem werden die Gletscher kleiner, seit der Jahrtausendwende zerfallen sie regelrecht – was nicht im Zusammenhang mit dem Skisport steht – wohl aber mit der globalen Erwärmung. Auf dem Kaunertaler Gletscher wird im Sommer schon lange kein Ski mehr gefahren – wie auch ohne Schnee? Lukrativ sind noch die Herbstmonate Oktober und November wenn es oberhalb von 2500m bereits weiß ist. Aber wie lange noch? Die 26km lange Gletscherstraße dient heute vor allem Autoposern als Rennstrecke. Die Gletscherleiche des Weißseeferners mit seiner Mondlandschaft selbst ist im Sommer eher ein abschreckendes denn ein lohnendes Ausflugsziel – kann aber sehr wohl als Mahnmal für den Beginn der Klimakatastrophe herhalten, auf das die Menschheit in Zukunft besser mit ihren einzigen Planeten umgeht.

Teil des Sommerurlaubs Südtirol/Tirol 2022

siehe auch:

7 Kommentare zu „Im Angesicht der Klima-Apokalypse: Sommerbesuch am Kaunertaler Gletscher

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  1. das sind schon krasse Aufnahmen aber es ist die Realität. Bald wird vom Eis nichts mehr da sein , zumindest in unseren Alpenregionen. Unsere Enkel werden die gletscherfreien Berge hautnah erleben.

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  2. Und alle, die auf das ewige Wasser / Eis angewiesen sind, wundern sich – bzw. werden sich (Augen zu und durch) noch wundern. Die Bedeutung der Gletscher für so mancherlei Kultur- und Wirtschaftszweig wird, wie so vieles im Leben, erst beim Verschwinden bemerkt. – Wir am gletscherlosen Fluss Elbe wissen, was Sommertrockenheit bedeutet. Die „Gletscherfluss“-Anlieger merken es jetzt auch – zunehmend.
    Wir sollten etwas tun – tun wir etwas? Genug?

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    1. So weit ist es noch nicht. Die Gletscherabflüsse sind derzeit gigantisch. Viele Bäche führen gar Hochwasser – ohne Niederschlag – rein durch Eisschmelze. Das Böse erwachen kommt dann, wenn das Eis an einem gar nicht mehr so fernen Tag, fast restlos abgeschmolzen ist. Wir waren jetzt fast zwei Wochen lang in den Gletscherregion rund um den Ortler unterwegs, ich werde dazu noch etwas Posten.
      Zur Frage, tun wir genug? Nein – ganz sicher nicht.

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      1. Die Wüsten dieser Welt breiten sich aus. Die Konsequenz sind viel weniger Wolken, welche das Wasser ins Innere des Kontinents transportieren könnten und höhere Einstrahlungsenergie, die Wasserspeicher wie Gletscher aber auch Wälder zusätzlich zurückdrängen. Die ansteigende Anzahl der Sonnenstunden und Temperaturen betreffen uns am Oberrhein ebenso wie Alpengletscher oder das Meereis an den Polen – natürlich mit regionalen Unterschieden.

        Das eigentliche Ansinnen meines Beitrags hier sind allerdings Maßnahmen, die diesem Trend entgegenwirken. Vielerorts sind Menschen inzwischen bereit aktiv gegen den Klimawandel vor zu gehen.
        In den Alpen sehen diese Bemühungen z.B. oft so aus wie auf Ihren Fotos, dass man Gletscher im Sommer (sicherlich sehr aufwändig) unter einer Folie/Plane vor der Sonne schützt, um das Abschmelzen im Sommer zu verzögern.

        Als Leuchtenhersteller bin ich mit den physikalischen Faktoren wie Lichtenergie, Einstrahlung, Absorption u. Reflektion(Albedo) bestens vertraut und behaupte, dass es viel effizienter, billiger und wirkungsvoller wäre, die wesentlich dunkleren Ausaperungen zu verhindern. In einem Modell würde ich Ihnen gerne erläutern, wie das mit Hilfe von Flugdrohnen, eingescannter (Infrarot-)Geländekartierung und einem selbsthergestellten, reflektierendem und biologisch abbaubaren Farbanstrich(Ei & Kalk & Wasser) sehr viel wirtschaftlicher bewältigt werden kann und wie sich diese unterschiedliche Strategie in einer (Mikro-)Strahlungsbilanz über einem Gletschergebiet darstellt.

        Eine weitere (zusätzliche ?) Strategie besteht aus einer Kombination aus Wind-, PV & Wärmepumpe. Dem Gletscher wird dabei Wärmeenergie entzogen, die auf ev. umliegende Berghütten verteilt wird.

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  3. Mir fiel heute ein Buch über „Die Alpen“ von 1985 in die Hände. Mit vielen bekannten Bildern, bspw. vom Olperer (noch unerschlossen), dem Biancograt, dem Gletscher an der Tschiervahütte, Morteratschgletscher usw.

    Und bspw. auch vom Zuckerhütl. Damals gab es auch in den Ostalpen, bzw. in Österreich Gletscher und echte Seracs dort, wo heute, wenn überhaupt, nur mehr Toteis oder blanker Gletscher vorzufinden ist. Für solche Bilder muss man heute in die Westalpen flüchten. Aber auch dort läuft die Zeit ab…

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