Gletscher im Rückwärtsgang – Status: Gaisbergferner

Das Zungenende des Gaisbergferners war eigentlich ein Ziel unserer Wanderung über die Hohe Mut. Leider machte uns gegen Ende das Wetter einen Strich durch die Rechnung – dichter Nebel. Wie auch immer, es war trotzdem eine wunderschöne Tour. Der Gletscher war trotz einer geringen Schneebedeckung gut einsehbar. Seine Entwicklung möchte ich im folgendem etwas näher beleuchten.

#Gaisbergtal Gaisbergferner
Das obere Gaisbergtal vom Bergrücken der Hohen Mut aus gesehen. Hinten rechts windet sich die Gletscherzunge des Gaisbergferners ins Tal, links darüber, die beiden heute eigenständigen Eisflächen unterhalb des Hochfirst (3.403m/ in Wolken).

Der Gaisberferner – ein kleiner alpiner Talgletscher

Der Gaisbergferner ist ein kleiner Talgletscher oberhalb von Obergurgl in den östlichen Ötztaler Alpen. Seine Gletscherzunge endet derzeit im hinteren Gaisbergtal auf etwa 2.500m Höhe. Seinen Ursprung hat der Eisstrom in einer Karmulde unterhalb des Gaisbergjochs, zwischen den Gipfeln Hochfirst (3.404m) im Norden und der Liebenerspitze (3.399m) im Süden.

Gaisbergferner Tirol Gletscher
Die von Neuschnee bedeckte Gletscherzunge des Gaisbergferners.

Der Gaisbergferner heute

Der Gaisbergferner ist bis heute ein klassischer, alpiner Talgletscher, mit ausgeprägter Zunge. Derzeit ist der Eisstrom etwa 2.400m lang und durchschnittlich 400m breit.
Das Nährgebiet des Gletschers liegt in einem, annähernd kreisförmigen, flachen, Kar zwischen 3.300 und 3.100m. Anschließend stürzt das Eis in einem etwa 500m langen, nur 200m breiten, spaltenzerrissenen Eisfall ins Gaisbergtal. In diesem Eisbruch überwindet der Gletscher einen Höhenunterschied von 250m. Südlich des Eisbruchs kalbt ein kleiner, namenloser, noch bis vor wenigen Jahren, mit dem Gaisbergferner verbundener Tributärgletscher auf die Gletscherzunge und führt dem Gaisbergferner zusätzliche „Nahrung“, in Form von Eis, zu.

Unterhalb des Eisbruchs beginnt die eigentliche, etwa einen Kilometer lange Gletscherzunge. Vor der orographisch linken Seite der Gletscherzunge liegen noch größere, schuttbedeckte, Toteismassen. Nördlich der Gletscherzunge finden sich  zwei weitere, ehemalige Tributärgletscher, darunter der Hochfirstferner. Beide sind heute nicht mehr mit dem Gaisbergferner verbunden.

Entwicklung seit der kleinen Eiszeit

Auf dem Höhepunkt der kleinen Eiszeit, um 1850, erreichte der Gaisbergferner seine nacheiszeitliche Maximalausdehnung. Damals war er etwa 4 Kilometer lang und endete auf einer Seehöhe von 2.350m. Alle drei oben beschriebenen, heute eigenständigen Gletscher, speisten zu dieser Zeit die Gletscherzunge.
Seit diesem Hochstand zieht sich der Gaisbergferner, unterbrochen von kurzen Widervorstößen um 1920 und 1980, zurück. Alle Gletschervorstöße haben bis heute gut erhaltene und deutlich sichtbare Moränenwälle aus Schutt und Geröll aufgeschoben. Deshalb ist die einstige Ausdehnung  des Gaisbergferners noch gut sichtbar.

#Gaisbergferner Moränen
#2. Moränen im Vorfeld des Gaisbfergferners: blau die Moräne des Gletschervorstoßes um 1920, grün die Moräne des Vorstoßes in den1980er Jahren und rot, hoch über dem Talboden, die Seitenmoräne aus der Kleinen Eiszeit um 1850.

 

Da sich in den letzten Sommern nur wenig Schnee im Akkumulationsgebiet halten konnte, in manchen Jahren praktisch gar keiner, wird sich der Rückgang der Gletscherzunge fortsetzen und sogar noch verstärken. Möglicherweise wird der Gletscher sogar völlig abschmelzen.

Vergletscherte Fläche (inkl. Hochfirstferner):

  • 1856/LIA-Maximum: 2,52 km²
  • 1969 (AGI1): 1,83km² (Hochfirstferner 0,29km²)
  • 1997 (AGI2) 1,63km² (Hochfirstferner 0,32km²)
  • 2006 (AGI3) 1,38km² (Hochfirstferner 0,25km²)
  • 2015 1,27km² (Hochfirstferner 0,21km²)
#Gaisbergferner Google Earth
#1 Der Gaisbergferner im Jahre 2015. Weiß das Profil aus Abbildung #2, Rot die End- und Seitenmoränen des Gletscherstandes um 1850, blau die Endmoräne von 1920 und grün die Endmoräne von 1980.
Obergurgl Gaisbergferner
#2: Schnitt durch den Gaisbergferner mit geschätzter Eisdicke heute und zur Zeit der kleinen Eiszeit

 

#Längenänderung Gaisbergferner
Längenänderung der Gletscherzunge des Gaisbergferners seit 1960 nach Daten des Österreichischen Alpenvereins.

Siehe auch:

Verweise:

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