Sommerskifahren am Stilfserjoch – Sci estivo Passo Stelvio

Es ist ein kühler Morgen im Frühherbst – wobei hier unten, eher Spätsommer. Über den Bergen hängen Wolkenfetzen, dazwischen blinzelt es blau. Alles ist angerichtet für meinen ersten Besuch am Stilfserjoch. Dem mystischen Sommerskigebiet in den Ortler-Alpen das im Gegensatz zur „Konkurrenz“ im Winter geschlossen- und nur im Sommerhalbjahr geöffnet ist, eine echte Kuriosität und ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal. Ja,  richtig. Das Skigebiet ist im Winter geschlossen und ist nur im Sommer geöffnet.

Mythos Stilfser Joch

Schon seit einiger Zeit, eigentlich seit ich von der Existenz des Skigebietes erfahren habe, sehne ich mich nach dem Stilfserjoch. Nun bin ich einfach mal hingefahren. Ein kleiner Traum geht in Erfüllung.

Am Morgen ist mir noch etwas mulmig. Der Wetterbericht verspricht nur Nebel und heute Nacht soll es bis zur Passhöhe geschneit haben – und ich hab nur Sommerreifen drauf! Der Blick aus dem Fenster bringt keine Gewissheit. Wolken, Nebelfetzen und einige blaue Lücken dazwischen. Die richtig hohen Berge oder gar den Pass kann ich gar nicht sehen. Außerdem, die Temperatur und das Wetter dort oben  lässt sich vom Prad aus nur schwer einschätzen. Die Passhöhe liegt 1.850m oberhalb, das Skigebiet noch mal deutlich darüber.

Doch ich habe Glück, das Wetter präsentiert sich in Bestform. Neuschnee liegt nur auf den Gletscherflächen, entsprechend gut sind die Straßenverhältnisse.
Schon die Anfahrt ist ein Spektakel. 48 Kehren und 1850 Höhenmeter gilt es zu überwinden – durch eine spektakuläre Kulisse. Das Stilfserjoch bzw. der Passo dello Stelvio ist mit 2.757m die zweithöchste Passtraße in den Alpen.
Oben angekommen werde ich von der etwas eingenwilligen, ja etwas aus der Zeit gefallenen Infrastruktur begrüßt. Die Hochzeit des Sommersskilaufs liegt eben doch schon ein paar Jahre zurück. Trotzdem, nicht unsympatisch, gerade diese Kulisse gehört hier oben einfach dazu. Aber, früher war nicht alles besser, eigentlich vieles nicht…
Jedenfalls heisst es dann Parkplatz suchen und Skipass lösen. Das Skigebiet wird überwiegend zum Renntraining genutzt, entsprechend sind die meisten Besucher schon auf den Pisten.

Von der Passhöhe aus führt eine Seilbahnkette, bestehend aus zwei Pendelbahnen, ins Sommersportgebiet. Zunächst zum Trincerone (3.037m), dann über die Gletscherzunge zum Livrio (3.174m). Die „Talabfahrt“ zurück zum Pass ist bereits geschlossen, üblicherweise reicht hier der Schnee „nur“ bis Anfang Juli. Die Piste zum Trincerone ist zwar schneebedeckt, allerdings nicht gewalzt und wegen des anhaltenden Gletscherschwundes  sehr unattraktiv. Zur Seilbahnstation gelangt man nur über einen längeren Gegenanstieg.
Auch die Größe des Skigebietes hat sich seit den 80er Jahren sehr reduziert. Von gut einem dutzend Skilifte stehen heute nur noch vier. Dem Klimawandel sei Dank.

Das eigentliche Skigebiet beginnt aber noch nicht unterhalb des Livrio. Hier liegt zwar bereits weite Gletscherflächen und die Talstationen der Geisterlifte, jedoch sind diese für den Skibetrieb fast unfahrbar flach. Entsprechend dient einer der Doppellifte quasi als Zubringer zu den Pisten (fährt aber bis oben durch), der andere dient dank Zwischeneinstieg als Beschäftigungsanlage.

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Geisterlifte auf weiter Gletscherfläche. Im Hintergrund die Namensgebende Geisterspitze (3.467m)

Die Geisterlifte führen hinauf bis ca. 3370m – früher waren es mal ein paar Meter weiter. Die Pisten sind typische Gletscherautobahnen. Weder besonders flach oder steil, dafür aber breit gewalzt und kaum kuppiert, jedoch überwiegend durch Rennteams belegt, die hier ihre Kurse gesteckt haben.

Die Rückseite des Skigebietes bilden die Lifte Payer und Cristallo, die einen weiteren Gletscherkessel erschließen. Die Pisten am Payerlift sind dabei die „schwierigsten“ hier oben, besitzen sogar soetwas wie einen Steilhang.

Der Cristallolift ist dagegen eher für genießer, ein schöner Carvinghang mit traumhafter Aussicht auf die grünen Täler des Veltins.

Das Skifahren am Stilfserjoch ist etwas ganz besonderes. Sicher nicht aus sportlicher Sicht. Eher Aufgrund der kuriosen Öffnungszeiten, des italienisch-südländischen Flairs und der unvergleichlichen, sommerlichen Kulisse am Gletscher. Sollte man mal gemacht haben!

Der Skipass kostet (Stand Sommer 2012) 36€ und ist von 08:00-17 Uhr gültig. Die Skilifte Payer und Cristallo schließen um 13:00 Uhr, Die Geisterlifte machen von 13:00-14:00 Mittagspause. Die Pendelbahnen verkehren durchgängig bis Betriebsschluss.


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