Wremen: Kutterhafen & Siebhaus

Der Wremer Hafen ist der südlichste der drei Sielhäfen an der Wurster Nordseeküste. Er liegt am landseitigen Ende des Priels „Wremer Tief“ und ist Wremens Tor zur Außenweser und zur Welt. Im Landesinneren setzt sich der Priel als „Wremer Wasserlöse“, einem Entwässerungskanal fort. Dazwischen liegt das Wremer Siel. Dieses ist bei Hochwasser geschlossen, bei Niedrigwasser geöffnet und ermöglicht so das Abfließen von Wasser aus dem innerhalb des Deiches gelegenen Marschland. Dieses wäre ohne Entwässerungsmaßnamen kaum nutzbar. Zusätzlich spült das Wasser den bei Hochwasser abgelagerten Schlick aus der Fahrrine. Ähnliche Siele finden sich entlang der gesamten Nordseeküste oft auch in den Ortsnamen, etwa bei Horumersiel.

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Der Kutter- und Sielhafen von Wremen. Hinten der Deich und die Willehadikirche.

Sportboot- und Kutterhafen

Der Wremer Hafen ist tideabhängig, kann entsprechend nur bei hohen Wasserständen angelaufen werden. Bei Niedrigwasser fallen Hafen und Fahrrinne weitgehend trocken. Der Anblick der auf den schlickigen Grund des Hafenbeckens liegenden Boote und Kutter ist für Ortsfremde durchaus ungewöhnlich.

#Kutterhafen Wremen Seeseite
Der Wremerkutterhafen und das Hotel Deichgraf von der Seeseite.

Seine Bedeutung als Umschlagplatz für Massengüter, einst verschifften die Wurstfriesen von hier aus ihre Waren, hat der Hafen schon lange verloren. Er ist aber noch immer Heimathafen von Berufsfischern. Derzeit sechs Fisch- bzw. Krabbenkutter stellen von hier aus, im Wattenmeer, der Nordseekrabbe nach. Der Krabbenfang vom Kutter aus wird in Wremen seit ~1900 betrieben. Zuvor setzte man Reusen ein. In der Hochzeit des Krabbenfangs stachen von Wremen aus ein gutes Dutzend Kutter in See. Direkt am Nordpier kann man, einen guten Fang vorrausgesetzt, auch Granat direkt vom Kutter kaufen – frischer geht’s wirklich nicht.
Neben den Fischkuttern finden sich auch einige Liegeplätze für Sportboote.
Auf der Wiese am Nordpier liefern Schautafeln einige Informationen zu den einzelnen Kuttern.

 

Jahrhundertprojekt Grauwallkanal & Verschlickung des Sielhafens

Im Jahre 1962 wurde mit dem Bau des Grauwallkanals begonnen. Ziel des Projektes war es, das Wurster Land besser zu entwässern. Vor allem in den alten, tief gelegenen Marschgebieten, dem Sietland, hatte man immer wieder mit Überschwemmungen zu kämpfen. Dazu sollte das gesamte Wasser über den neuen Kanal über das Weddewarder Siel abgeleitet werden. Die neun alten Siele durch ein einziges ersetzt werden. Eine Gefahr für die Sielhäfen denen die Verschlickung aufgrund fehlender Durchspülung drohte. Trotzdem wurde der Bau des Grauwallkanales weitgehend umgesetzt was auch, wie vorhergesehen, zu starkem Schlickeintrag in den Wremer Hafen führte. Das Wremer Siel blieb zwar erhalten, da es aber nur einen Teil seines alten Einzugsgebietes entwässert konnte der Ebbstrom nicht mehr allen, bei Hochwasser abgelagerten, Schlick aus den Hafenbecken spülen. Der Wremer Hafen drohte zu verlanden. Abhilfe schaffte der Mahlbusen, ein künstlich angelegter Teich hinter dem Deich. Dieser wird bei Flut mit Meerwasser gefüllt welches bei Ebbe in die Nordsee entlassen wird und den Schlick aus dem Hafen spült.

 

Tourismus – Rund um den Hafen

Abgesehen von den wenigen Berufsfischern ist  der Kutterhafen heute die zugkräftigste Sehenswürdigkeit in Wremen. Am Südpier finden hungrige und durstige einige Fisch- und Imbissbuden (auch Granat) sowie ein Schitthus (kein Scherz) mit Blick auf den Hafen. Wer im Sommer aber Lust auf Eis verspürt, der kommt hier abgesehen von Stileis, nicht auf seine Kosten. Wer die Buden etwas unromatisch und provisorisch findet sei daran erinnert, das wir uns hier im Deichvorland befinden. Vor allem im Winterhalbjahr heisst es hier regelmäßig Land unter. Da ist es durchaus praktisch wenn die Buden beweglich sind.

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Hotel Deichgraf.

Auf dem Deich oberhalb des Hafens thront der Deichgraf. Ein Vier-Sterne Hotel der Kette Ppstalsboom mit angeschlossenem Restaurant, „Weitblick“. Da die übrigen Gasthäuser, Hotels und Ferienwohnungen in Wremen allesamt hinter dem Deich liegen, ist der Deichgraf das einzige Haus mit uneingeschränktem Meerblick. Bis 2008 war hier der Standort der Wremer Strandhalle.

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Der Wahrzeichen Wremens, der Leuchtturm „Kleiner Preuße“ vom Strandbad aus gesehen.

Strandbad & Leuchtturm „Kleiner Preuße“

Vor dem Deichgraf liegt das Gelände des Wremer Strandbades. An diesem kostenpflichtigen Gründstrand ist das Baden in der Nordsee möglich. Da ich dort als Hundebesitzer nicht willkommen bin, kann ich dazu nur wenig sagen. Ich bevorzuge jedoch Sandstrände, auch wenn es zu diesem Thema geteilte Meinungen gibt.

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Der Leuchtturm Kleiner Preuße

Hauptattaktion und meistfotografiertes Motiv am Kutterhafen ist aber wohl der „Kleine Preuße“. An der Hafenausfahrt steht seit 2005 ein Nachbau des 1930 abgerissenen Leuchtturms. Der, zugegebener Maßen, kleine Turm kann auch bestiegen werden – habe ich aber bisher noch nicht gemacht. Ob sich eine Besteigung bei den wenigen Metern Höhe lohnt muss jeder selbst entscheiden. Wichtiger scheint mir da zu erwähnen das im Kleinen Preußen standesamtlich geheiratet werden kann – was, wen wunderts , ziemlich beliebt ist. Das Parken am Hafen ist übrigens kostenlos.

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Fischbrötchen und hausgemachter Kuchen im Wremer Siebhaus – Meerblick inklusive.

Siebhaus am Wremer Kutterhafen

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Das Siebhaus am Wremer Kutterhafen.

Nahe dem Nordpier liegt das alte Siebhaus.  Vom „Haus“ selbst, eher einer Hütte sollte man nicht zu viek erwarten. Hier wurden bis 2002, nach dem Fang, Krabben nach unterschiedlichen Größen- und Qualitäsklassen (nicht nur sprichwörtlich) gesiebt und anschließend gewogen. Das Siebhaus in seiner heutigen Form gibt es seit 2005. Es hat sich zu einem beliebten Café und Imbiss gemausert und gilt als so etwas wie ein Geheimtipp. Auf der Speisekarte finden sich neben, wen wunderts, Fisch und Krabbenbrötchen auch Suppen und hausgemachter Kuchen – allerdings nicht wirklich günstig . Da sich vor dem Siebhaus bequeme Sonnenliegen und weitere Sitzgelegenheiten befinden lässt es sich hier wunderbar schlemmen. Den Blick auf den Hafen und das Wattenmeer gibts gratis dazu. Bei schlechten Wetter wird es im kleinen Siebhaus aber vermutlich schnell sehr eng.

#Spatz am Wremer Siebhaus
Auch Spatzen mögen Kuchen.

Alles in allem ist der Wremer Kutterhafen ein wirklich nettes Plätzchen. Wer in der Gegend ist sollte auf jeden Fall einmal hier vorbeischauen.


Übersichtsseite Wurster Nordseeküste


Wremen
Kutterhafen SiebhausDirekt vom KutterLeuchtturm Kleiner PreußeBadestrand


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